Helene Türk (26) hat Anfang August in Rostock ihr eigenes Bestattungshaus eröffnet. „Nordlicht Bestattungen“ befindet sich am Wilhelm-Külz-Platz in einer ehemaligen Physiotherapie-Praxis. Es ist die erste Selbstständigkeit in ihrem Berufsleben. „Zwischen Wunsch und Wahnsinn“ beschreibt sie ihr aktuelles Gefühl. Schnell habe sie gemerkt, dass es nicht einfach ist, sich in einem etablierten Markt zu behaupten. „Aber ich bin gut ausgebildet und weiß, was ich tue“, sagt sie selbstbewusst.
Transparenz und persönliche Bestattungen
Helene Türk will mit neuen Ideen der Bestattungsbranche eine persönliche Note geben. „Ich brauche nur Leute, die sich trauen, zu einer jungen Bestatterin zu gehen“, sagt sie. Die Mecklenburgerin aus der Nähe von Woldegk möchte in Rostock ihre eigene Vorstellung von zeitgemäßer und persönlicher Bestattung umsetzen.
Dafür bringt die Jungunternehmerin gute Voraussetzungen mit. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr im Hospiz am Rostocker Südstadtklinikum hat sie bei einem traditionellen Bestattungsunternehmen in Mainz ihr Handwerk gelernt. Danach arbeitete sie zweieinhalb Jahre in einem modernen Bestattungshaus. Auch eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin hat sie absolviert.
„Ich bin Bestatterin aus voller Überzeugung“, sagt Helene Türk und setzt bei ihrer Arbeit auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit. „Die Bestattung soll kein undurchsichtiger Prozess hinter verschlossenen Türen sein“, hebt sie hervor. Neben einer würdevollen Behandlung des Verstorbenen will sie den trauernden Angehörigen Sicherheit vermitteln. „Sie dürfen bei mir hinter die Kulissen blicken“, so die 26-Jährige. „Schließlich vertrauen sie mir einen geliebten Menschen an, ein riesiger Vertrauensvorschuss. Deshalb lade ich die Angehörigen dazu ein, Fragen zu stellen und mir bei meiner Arbeit über die Schulter zu schauen.“
Kreative Abschiede und weibliche Begleitung
Helene Türk liegt ein kreativer Abschied am Herzen, zum Beispiel eine individuelle Sarggestaltung. Angehörige werden ermutigt, den Abschied aktiv mitzugestalten. „Kreativer Ausdruck kann Trost spenden und die Verarbeitung des Verlustes unterstützen“, ist sie überzeugt. Ebenso will sie speziell auf Frauen eingehen. „Manche Frauen wünschen sich aus persönlichen oder religiösen Gründen eine weibliche Begleitung oder fühlen sich damit einfach wohler. Diesen Wunsch möchte ich erfüllen“, sagt sie.
Veranstaltungen und letzte Bilder
Darüber hinaus plant Helene Türk monatliche Veranstaltungen und Formate, bei denen man sich mit Themen rund um Tod, Abschied und Bestattung auseinandersetzen kann – auch ohne konkreten Trauerfall. Im September geht es um alternative Bestattungsmethoden. Im November wird in den Räumen am Wilhelm-Külz-Platz eine kleine Kunstausstellung eröffnet. „Ich zeige Bilder eines befreundeten Künstlers, der angefangen hat zu malen, nachdem sein Sohn gestorben ist“, sagt sie. In diesem Jahr sind zudem Tage der offenen Tür geplant. Alle Veranstaltungen sind unter www.nordlicht-bestattungen.de zu finden.
Schließlich will Helene Türk auch „letzte Bilder möglich machen“. Manche Todesumstände seien traumatisch. „Zum Beispiel ist es nach einem Autounfall immens wichtig, die Familie, die den Unfall miterlebt hat, aufzufangen, damit sie nicht in ihr Trauma abgleitet. Gleichzeitig gilt es, den Verstorbenen so zu versorgen, dass noch mal eine weniger traumatische Abschiednahme möglich wird“, sagt sie und verweist auf die ästhetische Behandlung von Verstorbenen. „Ich kann nicht zaubern, aber ich kann viel.“