Die 35. Hanse Sail in Rostock steht unmittelbar bevor: Vom 6. bis 9. August werden 120 Schiffe aus sieben Nationen erwartet. Die Tourismuszentrale Rostock und Warnemünde (TZRW) plant rund 15.000 Mitfahrten auf Traditionsseglern. Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Die Linke) betont die wirtschaftliche Bedeutung des größten maritimen Volksfestes an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern: „Mit einem Bruttoumsatz von ungefähr zwanzig Millionen Euro kommt ordentlich Geld in die Kassen.“
Kulturelle Strahlkraft und Motto des Jubiläums
Neben der wirtschaftlichen Seite hob Kröger die kulturelle Ausstrahlung hervor. Die Sail sei ein „Willkommenssignal“ für den gesamten Ostseeraum. Das Motto lautet: „Lebendige Tradition mit Mut zur Innovation“. Lebendige Tradition sei „keine Momentaufnahme, sondern entwickelt sich mit jeder Generation weiter“, so die Oberbürgermeisterin. „Dabei wächst und verändert sich die Hanse Sail auch mit unserer Stadt.“
Im Mittelpunkt stehen rund 120 Schiffe aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Polen, Finnland, Schweden und Spanien. Besonders gewürdigt wurden die „Dauergäste“ wie die „Albert Johannes“, die „Loth Lorien“ oder die „Stettin“, die seit über 30 Jahren dabei sind. Bettina Fust, Leiterin des Hanse Sail-Büros, nannte diese Treue ein „Zeichen von Vertrauen und Verbundenheit“. Den Eignern der „Loth Lorien“, Jaap und Marieke van der Rest, wurde ein Schiffsmodell des Künstlers Rainer Lerch überreicht.
Ein „modernes Seglermärchen“ und die Not der Pöler Kogge
Jaap van der Rest erinnerte sich an den ersten Besuch in Rostock vor über 30 Jahren: „Wir sind damals hier am Stadthafen noch über Kohleberge und Bahnschienen gelaufen.“ Die Stadt habe sich enorm verändert. Er und seine Tochter leben ein „modernes Seglermärchen“, denn Marieke wird den Traditionssegler übernehmen, den ihre Eltern aufgebaut haben. Das sei selten, da viele Schiffe mit Nachwuchs- und Finanzproblemen kämpfen.
Ein Beispiel ist die „Pöler Kogge“, auf der die Band Keimzeit bei früheren Sails Konzerte gab. In diesem Jahr weicht die Band auf die „Kieler Hansekogge“ aus. Sänger Norbert Leisegang erklärte, die „Pöler Kogge“ befinde sich im Insolvenzverfahren – unter anderem fehlen drei bis fünf Millionen Euro für die Sanierung des Rumpfes.
Rahmenprogramm und Nachhaltigkeit
Zur Sail werden rund 450 Marktteilnehmer, 20 Bühnen und über 200 Künstler erwartet. Wegen Bauarbeiten am Stadthafen verteilt sich der Festbereich stärker in Richtung Innenstadt. Rund 112 Ehrenamtliche des Hanse Sail-Vereins unterstützen das Event, etwa bei der Crew-Betreuung, an Infoständen und beim Souvenirverkauf.
Zum Programm gehören der nachhaltige Design- und Kreativmarkt „Moby Dick“, die TOGGO-Tour am Neuen Markt, der Science@Sail-Campus der Universität Rostock sowie das „Achterdeck“ an der Hafendommel und Veranstaltungen an der Wal-Strandbar in Warnemünde. Der Regionalmarkt am Universitätsplatz und der Klostergarten als neue Kulisse ergänzen das Angebot. Auch der Marinestützpunkt in Hohe Düne öffnet von Freitag bis Sonntag.
Die Hanse Sail setzt ihre Nachhaltigkeitsmaßnahmen fort: Seit 2019 konnte das Abfallaufkommen durch Müllmonitoring und optimierte Wertstoffströme um fast 50 Prozent gesenkt werden. In diesem Jahr stellt der Markt am Kröpeliner Tor mit Unterstützung des ScanHotel City erstmals komplett auf Mehrweggeschirr um. „Mehrwegsysteme sind die stärksten Hebel für ein nachhaltigeres Fest“, sagt Projektleiter Samuel Drews von der Initiative Plastikfreie Stadt. Bei Erfolg soll das Konzept ausgeweitet werden.
Sponsoren und Highlights
Die Hanseatische Brauerei Rostock bringt Sonderetiketten auf über einer Million Flaschen heraus, und es gibt ein Hanse Sail-Shirt nach einem Motiv von Roger G. AIDA Cruises, Hauptsponsor, ist an drei Standorten präsent: mit der AIDA Urlaubswelt auf der Haedgehalbinsel und einem Familienbereich auf der Silo-Terrasse. Ein Höhepunkt ist das Auslaufen der AIDAdiva am Samstag um 22 Uhr in Warnemünde, begleitet von Wasserfontänen eines Feuerlöschbootes.
Weitere Informationen gibt es unter hansesail.com.