Mutter schickt Tochter 900 km weg: „Verstehe ich nicht“
Mutter schickt Tochter 900 km weg: „Verstehe ich nicht“

Laura Bachmann arbeitet als stellvertretende Museumsleiterin auf Schloss Waldburg in Baden-Württemberg. Ihre fünfjährige Tochter Elsa lebt derzeit wieder in Rostock bei der Großmutter – 900 Kilometer entfernt. Der Grund: Seit Monaten findet sich in der Region keine geeignete Kinderbetreuung. Die alleinerziehende Mutter zieht nun eine Kündigung in Betracht, wenn sich bis Ende August keine Lösung findet.

Kein Ganztagsplatz in Sicht

Nach dem tragischen Tod ihres Mannes war die gebürtige Rostockerin aus Wittenberg nach Baden-Württemberg gezogen, um auf Schloss Waldburg zu arbeiten. Bei der Vertragsunterschrift verließ sie sich auf den gesetzlichen Anspruch auf einen Kita-Platz. Doch die Realität sieht anders aus: Zwar wurde Elsa nach den Sommerferien ein Platz zugewiesen, aber nur an zwei Tagen pro Woche ist eine Betreuung bis 17 Uhr gesichert. An den anderen Tagen muss Laura ihre Tochter bereits um 14 Uhr abholen – unvereinbar mit ihrem Vollzeitjob.

„In Ostdeutschland ist es kein Problem, eine Kita mit Ganztagsbetreuung zu finden. Aber in Westdeutschland ist alles ganz anders. Das verstehe ich einfach nicht“, sagt Laura. Die Großmutter in Rostock hatte die Enkelin bereits im Frühjahr für mehrere Wochen betreut, als Laura ihre neue Stelle antrat. Auch jetzt hilft sie wieder aus. „Oma macht es toll“, sagt Laura, „aber ich kann auf Dauer nicht ohne meine Tochter leben. Es bricht mir jeden Tag das Herz.“

Chef hofft auf Unterstützung

Max Haller, der Leiter der Waldburg, würde eine Kündigung von Laura hart treffen. „Laura macht es hervorragend“, sagt Haller, „es würde Monate dauern, bis wir gleichwertigen Ersatz finden. Wenn überhaupt. Deshalb hoffe ich, dass jemand seine Hilfe anbietet.“

Nachdem die Schwäbische Zeitung im Mai erstmals über den Fall berichtet hatte, meldete sich eine Familie aus der Region und betreute Elsa für einige Wochen. Doch der Aufwand wurde zu groß, da die Familie bereits zwei eigene Kinder versorgt.

Au-Pair als letzte Hoffnung

Nun erwägt Laura, eine Au-Pair-Kraft zu engagieren. Die Kosten von 600 bis 700 Euro monatlich würde sie übernehmen. Doch ihre kleine Wohnung in Edensbach entspricht nicht den Übernachtungsrichtlinien. „Wenn mir jemand eine größere Wohnung vermietet, könnte es mit der Au-Pair-Lösung klappen“, sagt Laura. Es ist ihre letzte Hoffnung.