Am Mittwochabend wird der Mond kurz nach 19.00 Uhr vor die Sonne treten und sie von Norddeutschland aus bis zu 90 Prozent bedecken. Trotz der späten Uhrzeit ist ein Blick ohne speziellen Schutz gefährlich. Björn Voss, Direktor des Hamburger Planetariums, warnt eindringlich davor, das Phänomen zu unterschätzen.
Warum eine Schutzbrille unerlässlich ist
„Egal bei welchem Sonnenstand – ob morgens, mittags oder abends kurz vor Sonnenuntergang: Wer eine Sonnenfinsternis beobachten möchte, muss unbedingt eine spezielle Schutzbrille tragen.“ Das Auge funktioniere wie ein Brennglas. Hornhaut und Linse bündeln das Sonnenlicht und fokussieren es auf die Netzhaut. Dabei wird das Gewebe beim direkten Blick auf die Sonnenscheibe von intensiver UV- und Infrarotstrahlung verbrannt. Der natürliche Schutzreflex setzt zu spät ein, da die Netzhaut keine Schmerzrezeptoren besitzt. Die Folge können schwere Augenschäden bis zur Erblindung sein.
Normale Sonnenbrillen sind gefährlich
Der Astrophysiker rät vehement von normalen Sonnenbrillen ab. „Sonnenbrillen und 'Hausmittel' schützen die Augen nicht. Im Gegenteil: Sonnenbrillen sind sogar gefährlich. Sie reduzieren die Helligkeit, wodurch sich die Pupille weitet und noch mehr schädliche Strahlen ins Auge gelangen.“
Eine Sonnenfinsternisbrille lasse lediglich 1/100.000 des Sonnenlichts durch und biete so ausreichend Schutz. Solche Brillen gibt es bei vielen Online-Anbietern oder im Planetarium Hamburg. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt eine Sonnenfinsternisbrille der aktuell gültigen Norm DIN EN ISO 12312-2:2015.
Auch abends gefährlich
„Natürlich ist die Strahlung abends physikalisch deutlich schwächer. Aber ein ungeschützter Blick direkt in die Sonne ist ungemindert gefährlich.“ Wer den Sonnenuntergang beobachte, könne denken, man könne ungeschützt zur Sonne schauen. „Das ist aber nicht der Fall! Wenn wir einen Sonnenuntergang betrachten, machen wir dies in dem Moment, wenn die Sonne den Horizont bereits berührt. Und selbst dann besteht ein Restrisiko.“
Die Sonnenfinsternis am Mittwoch beginnt eineinhalb Stunden vor dem eigentlichen Sonnenuntergang. „Die Finsternis darf also auf keinen Fall ohne eine spezielle Sonnenfinsternisbrille beobachtet werden!“
Brillen im Planetarium
Im Planetarium im Stadtpark gibt es die speziellen Schutzbrillen. Das Interesse sei enorm und nicht mit anderen Finsternissen vergleichbar. Insbesondere seit dem vergangenen Donnerstag ist die Nachfrage rapide angestiegen. „Wir haben bereits weit über 1.000 Sonnenfinsternisbrillen verkauft und waren zwischenzeitlich ausverkauft. Neue Brillen erwarten wir am Dienstag.“