Himalaya-Tour: Schwerinerin ignoriert Warnschild auf 5600 Metern
Himalaya: Schwerinerin ignoriert Warnschild auf 5600 Metern

Die Schwerinerin Alexia Mohr hat sich auf der zweithöchsten befahrbaren Straße der Welt über ein Warnschild hinweggesetzt. Auf dem Khardungla Pass in 5600 Metern Höhe blieb sie 40 Minuten – obwohl das Schild davor warnte, höchstens fünf Minuten zu bleiben. „Ich fand es auf dem Khardungla Pass, der zweithöchsten befahrbaren Straße der Welt, so krass, die Aussicht so schön“, erzählt sie. „Und dann hatte ich einen Sternenhimmel vor Augen. Höhenkrankheit? Davon hatte ich vorher keine Ahnung.“

Vom Videoanruf zur Tour

Begonnen hatte alles mit einer Nachricht eines unbekannten Inders vor einem Jahr. Alexia, die als Kinder- und Jugendpsychologin an den Helios Kliniken Schwerin arbeitet, wurde gefragt, ob sie bei Motorradtouren durch den Himalaya mitkommen wolle – „wir hatten die letzten Jahre noch nie eine Frau dabei“. Nach einem Blick auf die Webseite und einem Videocall sagte sie zu. „Da war mir noch gar nicht klar, dass die zehntägige Reise durch das höchste Gebirge der Welt gehen soll und auf die vier höchsten befahrbaren Pässe der Welt“, so die 26-Jährige.

Im Juli flog sie mit ihrem Freund, der sie als Kameramann begleitet, nach Indien. Der Flughafen lag in über 3000 Metern Höhe. „Unsere Maschine musste zwischen Bergspitzen landen. Zurück war es noch heftiger. Wir mussten einen U-Turn fliegen, um die steilen Bergwände hochzukommen“, erinnert sie sich.

Herausforderungen in der Höhe

Zu siebt starteten sie in Leh, der Hauptstadt der Region Ladakh. Alexia fuhr eine Royal Enfield Himalayan 450. Die beiden indischen Guides hatten die Tour als ziemlich hart angekündigt. Ein Sanitäter maß morgens, mittags, abends und in großen Höhen Blutdruck und Sauerstoffsättigung. An manchen Tagen saß die Gruppe acht bis neun Stunden im Sattel. Die Temperaturen schwankten zwischen 0 und 50 Grad, das Wetter schlug in Sekunden um.

Nachts wärmte sich Alexia mit Merinowolle und Heizpatches, „die sind eigentlich für Periodenschmerzen“. Die Unterkünfte waren dürftig: Wasser aus dem Eimer, Strom nur wenige Stunden, tagelang kein Internet. Die Toiletten bestanden aus Löchern im Boden. Dazu kamen ständige Polizeikontrollen wegen der Krisenregion. In einem Museum wäre sie fast nicht reingekommen, weil in ihrem Pass ein früherer China-Aufenthalt vermerkt war – erst der Hinweis auf über 40 andere Länder überzeugte die Beamten.

Höhepunkte und Erleichterung

Trotz aller Strapazen schwärmt sie: „Einfach nur atemberaubend.“ Der Pangong-See, einer der weltweit höchsten Salzseen, habe sie völlig gefesselt. Sie sah Kamele, Wildpferde, Murmeltiere und Adler, besuchte Tempel und Klöster – und staunte über heilige Kühe, die auf der Straße lagen. In einer Klosterschule ohne Strom und Heizung zauberte sie mit Plüschtieren Kindern ein Lächeln ins Gesicht. Fast alle in der Gruppe hatten Magenprobleme – nur Alexia nicht. „Ich glaube, mein Magen ist das einfach von meinen Reisen gewöhnt.“

Seit sie wieder zu Hause ist, weiß sie eine Kloschüssel und Klopapier mehr zu schätzen: „Auch wenn ich am Ende treffsicher war, das schlimmste waren die Toiletten.“ Aus den indischen Guides sind Freunde geworden – im kommenden Februar wollen sie nach Deutschland kommen.