Mallorca-Proteste: Leserbriefe kritisieren Kommentar von Robin Halle
Mallorca-Proteste: Leserbriefe kritisieren Kommentar

Ein Kommentar von Chefredaktionsmitglied Robin Halle, der die Proteste gegen Massentourismus auf Mallorca als undankbar bezeichnete, hat heftige Reaktionen ausgelöst. In Leserbriefen und auf Facebook wehren sich Einheimische und Deutsche gegen seine Aussagen.

Leserbrief von Stephan Kolb

Stephan Kolb wirft Halle eine bemerkenswert einfache Argumentation vor. Er schreibt: „Wer ernsthaft schreibt, die Mallorquiner sollten den deutschen Touristen dankbar sein, weil diese Geld auf die Insel bringen, verkennt das eigentliche Problem.“ Die Menschen demonstrierten nicht gegen Urlauber, sondern gegen ein Tourismusmodell, das an seine Grenzen stoße. Kolb kritisiert zudem die Behauptung, die Mallorquiner hätten sich alles selbst eingebrockt: „Wer genau ist ‚die Mallorquiner‘? Die junge Familie, die keine Wohnung mehr findet? Die Krankenschwester, deren Miete sich in wenigen Jahren verdoppelt hat?“

Weiterhin weist Kolb auf den Widerspruch im Kommentar hin: Einerseits seien die Proteste unverschämt, andererseits erkenne Halle die politischen Versäumnisse an. Kolb: „Es gehört schon eine gewisse Chuzpe dazu, aus einer vergleichsweise beschaulichen Tourismusregion in Oberschwaben heraus den Menschen auf Mallorca erklären zu wollen, wie sie die Folgen von jährlich rund 13 Millionen Touristen zu bewerten haben.“

Stimme einer langjährigen Residentin

Susanne Lenné, die seit vielen Jahren auf Mallorca lebt, schreibt: „Ehrlich gesagt hat er mich eher fassungslos zurückgelassen.“ Sie betont, dass die Demonstrierenden nicht die Immobilienmakler oder Hotelbesitzer seien, sondern Menschen mit einem Nettoeinkommen von etwa 1.000 bis 1.400 Euro im Monat. Sie korrigiert die Tourismuszahl: „Inzwischen besuchen jährlich mehr als 19 Millionen Menschen eine Insel mit knapp einer Million Einwohnern.“ Viele der Protestierenden könnten sich trotz Vollzeitjob das Leben auf Mallorca kaum noch leisten.

Weitere Reaktionen auf Facebook

Auf der Facebook-Seite der „Schwäbischen Zeitung“ wird ebenfalls diskutiert. Nutzerin Mone zeigt sich entsetzt: „Sie haben offenbar die ‚normalen‘ Menschen vergessen … Genau diese Menschen haben durch diesen Tourismus Wohnraum verloren.“ Sie bezeichnet Halles Äußerungen als „arrogantes Verhalten“. Alexander Steinhoff merkt an: „Es ist ja auch deren Heimat, also haben die Mallorquiner auf Mallorca auch mehr bezüglich ihrer Insel mitzureden als Herr Halle.“ Monica Henkel ergänzt: „Es ist ihre Insel und wenn sie keine Touristen mehr haben wollen, dann gibt’s auch noch andere Orte, die gerne unser Geld nehmen.“

Thomas Kaiser und Sebastian Mlynek weisen auf die Saisonalität hin, während Reinhold Scheible den Kommentar als arrogant bezeichnet: „Arrogant wie immer, der Herr Halle.“ Michael Weisker erinnert daran: „Herr Halle, nicht alle Mallorquiner werden durch Urlauber reich.“ Sonja Wanner-Fischer gibt zu bedenken: „Den Ballermann haben sie sich selbst zuzuschreiben, den haben nicht die Deutschen erfunden.“