Die AfD hat die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen. Laut vorläufigem Endergebnis kommt die Partei mit Ministerpräsidenten-Kandidat Leif-Erik Holm und Spitzenkandidat Enrico Schult auf 38,2 Prozent. Das bedeutet eine Verdopplung des Ergebnisses von 2021, als die AfD 16,7 Prozent erreichte.
Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig liegt nach einer Aufholjagd in den vergangenen Wochen bei 35,5 Prozent (2021: 39,6 Prozent). Schwesig bleibt trotz Platz zwei wohl im Amt – denn die AfD verfehlt die absolute Mehrheit deutlich.
CDU und BSW scheitern an der Fünfprozenthürde
Die CDU erlebt ihre bitterste Stunde und fliegt aus dem Landtag. Mit 4,9 Prozent verpasst sie den Wiedereinzug ins Schweriner Schloss denkbar knapp. Auch das BSW hat es nicht geschafft.
Die Linke erreicht 6,5 Prozent, die Grünen 5,7 Prozent. Für eine Regierungsmehrheit sind 36 Sitze nötig. Die AfD kommt auf 32 Sitze – zu wenig für eine Alleinregierung. Zwar hatten Holm und Schult die anderen Parteien zu Gesprächen aufgerufen, doch SPD, Linke und Grüne hatten eine Zusammenarbeit mit der AfD bereits im Vorfeld ausgeschlossen.
Rot-Rot-Grün als einzige Option
Eine Mehrheit ergibt sich nur durch eine Dreierkoalition aus SPD, Linke und Grüne, die zusammen auf 39 Sitze kämen. AfD-Mann Schult kündigte bereits am Wahlabend an, dass seine Partei in diesem Fall eine starke Opposition sein werde.
Schwesig erklärte, es sei die bislang schwerste Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern gewesen. Sie hob die Aufholjagd der SPD hervor: Bei einer Umfrage vor Jahresfrist lag die SPD lediglich bei 19 Prozent, die AfD bei 38 Prozent.
Kanzler Merz gestand die Niederlage der CDU als „Desaster“ ein. Die CDU sei zerrieben worden zwischen der SPD und der AfD. Zugleich erklärte er, den Reformkurs der Bundesregierung fortzusetzen und schloss einen Rücktritt zum jetzigen Zeitpunkt aus.
Polarisierter Wahlkampf um die Frage SPD oder AfD
Die Sozialdemokraten setzten fast komplett auf ihre Ministerpräsidentin. Nur wer die SPD wähle, verhindere die AfD, so der Slogan. Dem folgte sogar der Linken-Politiker Daniel Trepsdorf aus Schwerin, der im Wahlkreis 8 als Direktkandidat angetreten war und Mitte August auf seine Kandidatur verzichtete, um Schwesig zu unterstützen.
Der Wahlkampf war stark polarisiert auf die Frage, wer gewinnt: SPD oder AfD. Der AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt kurz zuvor verschärfte die Lage. Die AfD warb mit Holm als Ministerpräsident, die SPD mit Schwesig als „Die Frau gegen Blau“.