Nicht einmal zwei Wochen nach dem WM-Finale in den USA hat FIFA-Boss Gianni Infantino mit seinen Investoren-Plänen erneut für große Kritik gesorgt. Der Weltverband will einen Teil seiner kommerziellen Rechte an der WM verkaufen, um eine Milliardensumme einzuspielen. Gewaltige Empörung, Widerworte aus der Politik und ein klares Veto von der UEFA sind die Folge.
Infantinos Schachzug nach WM-Turbulenzen
Es ist nicht das erste Mal, dass Präsident Infantino einen Ausverkauf von FIFA-Rechten plant. Bereits im November 2018 warb er für einen Investoren-Deal für eine neue Club-WM und eine globale Nations League mit einer Summe von 25 Milliarden Dollar. Damals scheiterte er. Diesmal nannte die FIFA einen Erlös von etwas mehr als vier Milliarden US-Dollar (gut 3,5 Millionen Euro).
Der Schritt könnte Infantino nach einer weiteren Präsidentschaft ab 2031 zum Geschäftsführer des neu zu gründenden Tochterunternehmens FFE machen und ihm so weiterhin Macht im FIFA-Kosmos sichern. Während der WM war Infantino wegen der auf Anruf von Donald Trump zurückgezogenen Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun stark in die Kritik geraten. Anfang der Woche wurde publik, dass ein demokratischer Abgeordneter ihn für eine Befragung in den US-Justizausschuss zitieren will.
Was würde sich für Fans ändern?
Konkrete Änderungen für Fans kündigte die FIFA nicht an. Einem Bericht der „Times“ zufolge könnte ein solcher Deal den Druck erhöhen, das WM-Feld weiter auszubauen oder die WM häufiger auszutragen. Hintergrund ist das Geschäftsmodell der Investoren: Sie setzen darauf, dass die Erlöse der kommerziellen Gesellschaft steigen. Die FIFA erklärte, sie behalte die ausschließliche Zuständigkeit für die Führung des Fußballs, Wettbewerbe, den internationalen Spielkalender und sämtliche regulatorischen und sportlichen Entscheidungen.
Wer sind die Gegner und was können sie tun?
Der mächtigste Gegner ist die UEFA, die ihre Ablehnung klar kommunizierte. „Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften“, teilte der Dachverband mit. Einen Bericht, wonach man den Boykott von FIFA-Wettbewerben erwäge, wollte die UEFA nicht kommentieren. Es könnte noch diese Woche eine Dringlichkeitssitzung der europäischen Verbände geben.
UEFA-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke betonte: „Bei der WM standen sechs europäische Teams im Viertelfinale und drei im Halbfinale. Wenn sich der europäische Fußball geschlossen gegen die Pläne wehrt, hat das sehr viel Gewicht.“ Die UEFA präsentiert sich als Bollwerk gegen Infantinos Pläne – wie bereits 2018, als sie sich durchsetzte.
Ist der geplante Deal mehrheitsfähig?
Davon ist auszugehen, da vor allem kleinere Mitgliedsstaaten von einem deutlichen Anstieg der Einnahmen profitieren würden. „Hier geht es um die Demokratisierung des Fußballs weltweit“, sagte Infantino. Nach FIFA-Angaben könnten sich die Einnahmen pro Jahr für die Mitgliedsstaaten mehr als verdreifachen – auf im Schnitt bis zu mehr als sieben Millionen US-Dollar pro Jahr bis 2038. Infantino ließ wissen, jeder FIFA-Mitgliedsverband solle einen fairen Anteil erhalten.
Ein FIFA-Sprecher sagte, ein Vorschlag werde bald den 211 Mitgliedsverbänden und dem FIFA-Rat vorgelegt. Der Verband Concacaf zeigte sich enttäuscht: „Wir sind zutiefst besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens“, hieß es in einem Statement.
Welche Rolle könnte Infantino spielen?
Sollte das Modell umgesetzt werden, könnte Infantino das neue Unternehmen als Commissioner oder Geschäftsführer leiten. Ein FIFA-Sprecher betonte, es sei über dieses Szenario noch nie konkret gesprochen worden. Der ehemalige FIFA-Boss Joseph Blatter kritisierte: „Die enge Beziehung zwischen dem FIFA-Präsidenten und dem US-Präsidenten hat eine finanzielle Dimension angenommen, die dem Fußball erheblichen Schaden zufügt. Niemand hat das Recht, unseren Sport zu verkaufen.“ Auch britische Medien und der Premier von Großbritannien übten deutliche Kritik.