Landtagswahl MV: Schwesig und AfD liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen
Landtagswahl MV: Schwesig und AfD in Kopf-an-Kopf-Rennen

In Mecklenburg-Vorpommern wird heute ein neuer Landtag gewählt. Rund 1,3 Millionen Menschen sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben, darunter erstmals auch 16- und 17-Jährige. Die Wahllokale haben von 8 bis 18 Uhr geöffnet, allgemein wird mit einer hohen Wahlbeteiligung gerechnet.

Bundesweit beachtete Abstimmung

Die Wahl erzeugt weit über die Landesgrenzen hinaus Aufmerksamkeit, selbst ausländische Medien berichten über den Nordosten Deutschlands. Im Mittelpunkt steht das Abschneiden der AfD. Nach dem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen rechnet sich die Partei auch hier gute Chancen aus. Im Wahlkampf plakatierte sie ihren Co-Landesvorsitzenden Leif-Erik Holm selbstbewusst als Ministerpräsidenten.

Umfrage sieht SPD vorn

Kurz vor der Wahl erhielten die Hoffnungen der AfD jedoch einen Dämpfer: Einer Umfrage des ZDF-„Politbarometers“ zufolge läge die SPD unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit 37 Prozent erstmals an der Spitze, die AfD mit 36 Prozent knapp dahinter. Beide Kandidaten haben sich das Ziel gesetzt, stärkste Kraft zu werden. Die Linke erreicht neun Prozent, die Union sechs, die Grünen fünf, das BSW vier Prozent. Die FDP liegt unter drei Prozent. Für die Union wäre es das schlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl seit Bestehen der Bundesrepublik. Welche Auswirkungen das auf die Bundesregierung und Kanzler Friedrich Merz hat, hängt auch von der parallel stattfindenden Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin ab.

Aufholjagd der SPD

Bemerkenswert ist die Entwicklung der SPD: Zu Beginn des Sommers lag sie mit deutlich unter 30 Prozent auf Rang zwei, im Wahlkampf holte sie kontinuierlich auf. Das enge Rennen wird vielfach an der Person Schwesig festgemacht. Experten zufolge ist es ihr gelungen, sich von der in Mecklenburg-Vorpommern unpopulären Bundesregierung abzugrenzen – trotz SPD-Beteiligung. Bei Themen wie der Rentenreform oder den Spritpreisen ging sie auf Distanz zu Berlin. Geholfen haben dürften auch angekündigte Milliardeninvestitionen: Die Schwarz Gruppe kündigte den Bau eines riesigen Rechenzentrums bei Rostock an, der Stromnetzbetreiber 50Hertz vergab einen Milliardenauftrag für den Bau einer Konverterplattform an die Rostocker Werft.

Polarisierender Wahlkampf

Die Wahl wurde vielerorts als Richtungswahl bezeichnet. Die kleinen Parteien litten besonders und wurden zwischen den Lagern teilweise zerrieben. Schwesigs Positionierung als „Frau gegen Blau“ und ihre Werbung für die SPD, um die AfD zu verhindern, sorgte für Unmut bei den potenziellen Koalitionspartnern – Beschwerden kamen von CDU, Linken und Grünen. Bestimmende Themen waren Bildung, Wirtschaft und Migration, aber auch Spritpreise und Rentenreform. In zwei Fernsehduellen gingen sich Holm und Schwesig persönlich hart an, unterbrachen einander mehrfach und warfen sich die Verbreitung von Lügen und Halbwahrheiten vor.