Patriot-Einsatz in der Türkei: Dauer weiter ungewiss
Patriot-Einsatz in der Türkei: Dauer ungewiss

Die Einsatzdauer der Patriot-Luftabwehrsysteme aus Mecklenburg-Vorpommern in der Türkei bleibt ungewiss. Das deutete der Kontingentführer Oberstleutnant Dujovic an. Vor rund zwei Monaten waren 150 Soldaten aus Bad Sülze in die Türkei geschickt worden, um den NATO-Luftraum nahe dem Konfliktgebiet zwischen dem Iran und den USA zu überwachen.

Kein Enddatum in Sicht

Schon Anfang Juni, als die Soldaten verabschiedet wurden, gab es in Bundeswehrkreisen Bedenken, ob das geplante Einsatzende im September realistisch ist. Auf die Frage nach der Dauer antwortete Dujovic militärisch-diplomatisch: „Die Einsatzdauer wird fortlaufend betrachtet und bewertet. Eine Entscheidung gibt es entlang der operativen Bewertung der Sicherheitslage.“ Zwischen den Zeilen ist zu lesen: Es gibt noch kein Enddatum für diesen Einsatz.

Die einzelnen Soldatinnen und Soldaten haben dagegen einen definierten Einsatzzeitraum, nach dem sie abgelöst werden und nach Hause können.

Stationierung nahe Malatya

Die Soldaten und ihre Patriot-Systeme zur Luftraumüberwachung und Abwehr von Mittelstreckenraketen sind nahe der 750.000-Einwohner-Stadt Malatya stationiert. Als erste Bundeswehreinheit in dem Gebiet mussten die Bad Sülzer viel organisieren. Die Einsatzstellungen – also die Punkte, wo die Radare und die Abschussvorrichtungen der Patriot-Lenkflugkörper stehen – liegen außerhalb der Stadt im Hochgebirge. Die Soldaten sind rund um die Uhr im Schichtsystem im Einsatz und in zivilen Wohnhäusern untergebracht.

NATO-Luftraumüberwachung und Sicherheit

Die Soldaten aus Bad Sülze übernahmen die Kommandoübernahme im Auftrag der NATO. Von Norwegen bis in die Türkei schützt das Bündnis seinen Luftraum an der Ostflanke. Die Soldaten könnten jederzeit innerhalb von Sekunden auf Bedrohungen reagieren. Ihre Lenkflugkörper würden etwa Mittelstreckenraketen aus dem Nahost-Konflikt unschädlich machen – ob absichtlich oder versehentlich. Auf die Frage nach der persönlichen Sicherheit sagte Dujovic, er und seine Soldaten seien an einem ziemlich sicheren Ort. Zwischenfälle habe es bislang keine gegeben.

Durch die türkischen Offiziellen, egal ob zivil oder militärisch, sei man freundlich aufgenommen worden, so der Kontingentführer. „Die Menschen sind alle lieb und nett zu uns, ich bin begeistert“, sagte Stabsunteroffizier Paula H. gegenüber NDR MV. Für sie ist es der erste Auslandseinsatz. Sie sei zu Beginn sehr aufgeregt gewesen, vor allem, weil sie nicht wusste, ob zu Hause alles klappt. Ihr Mann kümmert sich um die drei gemeinsamen Jungs. Verpasste Geburtstage werden nachgefeiert. Hauptfeldwebel Martin S. sagte, wegen der Kurzfristigkeit des Einsatzes hätten er und seine Frau den Sommerurlaub umbuchen müssen. Sie mache das zu Hause sehr gut, auch ohne ihn.

Bundesverteidigungsminister Pistorius lobte, die Soldaten reagierten auch bei Provokationen und hybriden Bedrohungen besonnen und entschlossen. Patriot-Einheiten aus MV kehren derweil aus Polen zurück, und im Rostocker Hafen wird ein Truppentransport erwartet: Die Patriot-Systeme der Flugabwehrraketengruppe 24 Bad Sülze kehren von einem Einsatz auf Kreta zurück.