Wahlkampf in MV: Lächeln, schütteln, schenken – doch zählt das?
Wahlkampf in MV: Lächeln, schütteln, schenken

Der Wahlkampf ist zurück – nicht leise, sondern mit Fanfaren, Fördermittelbescheiden und Blitzlichtgewitter vor jeder frisch gestrichenen Turnhalle. Spatenstiche sprießen wie Pilze nach einem Sommerregen, Schecks werden in Kamerahöhe gehalten, und Gesichter lächeln von Bühnen, die sonst viele Monate verwaist wirken.

Auftritte zwischen Bratwurst und Bierwagen

Auf Dorf- und Stadtfesten schieben sich Kandidaten samt Entourage zwischen Bratwurststand und Bierwagen, als hätten sie das Ehrenamt des Grillmeisters übernommen. Kugelschreiber wechseln den Besitzer, Fähnchen flattern, Tassen klappern, Duftbäume versprechen politische Frische. Als ließe sich ein Kreuz auf dem Stimmzettel mit einem Werbegeschenk bezahlen.

Der mündige Wähler sollte sich davon so wenig beeindrucken lassen wie von Zuckerwatte, die größer aussieht, als sie satt macht. Vielleicht wäre es tatsächlich revolutionär, einmal die Wahlprogramme aufzuschlagen.

Zwischen Glanzversprechen und Regierungsrealität

Andererseits droht dabei die unangenehme Erkenntnis, dass zwischen Hochglanzbroschüre und Regierungsalltag oft mehr Kilometer liegen als zwischen Wahlversprechen und Wirklichkeit. Bis dahin gilt: freundlich lächeln, den Kugelschreiber mitnehmen und für das Kreuz trotzdem den Kopf anmachen. Denn schließlich geht es um die Vertretung der eigenen Interessen und nicht nur um die Wurst.