Vor zwei Jahren wurde das Residenzensemble in Schwerin zum Unesco-Welterbe erklärt. Die Stadt verändert sich seitdem, um diesem Status gerecht zu werden. Aber das Tempo dabei vergleichen die Verantwortlichen mit einem Marathon – keinem Sprint.
Juli 2024 – nach mehr als zwei Jahrzehnten Werben ist Schwerin Welterbe. Das bringt viele Hoffnungen auf ein neues Image, viele Besucher und einen Aufschwung mit sich. Was davon hat sich bisher erfüllt?
Sichtbarkeit: Besucherzentrum erst 2030
Sommer 2026: Fragt man Touristen auf der Straße, ob sie wegen des Welterbe-Titels hier sind, heißt es: „Nein, wir haben es erst hier erfahren“, sagt eine Schlossbesucherin auf Englisch, oder „Das wussten wir nicht.“ An der Sichtbarkeit des Welterbes arbeitet Schwerin auch nach zwei Jahren noch.
Neue Autobahn- und Ortseingangsschilder seien laut Stadtmarketing in Arbeit. Neu dazugekommen sind Plaketten an den Welterbe-Gebäuden, zum Beispiel am Dom. Sorgen sie für mehr Sichtbarkeit? Um sie zu finden, müssen Besucher etwas genauer hinschauen. Weniger zu übersehen wäre ein Welterbe-Besucherzentrum – bisher ist es nur ein Entwurf.
Finanzierung steht, Bau bis 2030
Einen größeren Meilenstein gibt es aber: Stadt, Land und Bund haben sich auf die Finanzierung geeinigt. Spätestens 2030 soll auf dem Schweriner Schlachtermarkt das Zentrum stehen.
Besucherzahlen: Schloss legt zu, Übernachtungen stagnieren
Ganz real sind die Besucherzahlen. Etwa 243.000 Menschen haben sich im vergangenen Jahr das Schloss angesehen. Etwa 30.000 mehr als vor dem Welterbe. Die Zahl der Übernachtungen in Schweriner Hotels und Pensionen ist in den vergangenen Jahren kaum gestiegen und lag im vergangenen Jahr bei etwa 440.000. Für das laufende Jahr rechnet das Stadtmarketing mit einem Rückgang. Das hat mit den Bahnbauarbeiten bis zum Frühsommer zu tun. Statistisch gesehen ist Schwerin ein klassisches Ziel für Tagestouristen, wenn die Bahn nicht vernünftig fährt, bleiben die Gäste aus.
Touristen zeigen sich begeistert
Wenn sie aber kommen, dann gefällt es ihnen meist, wie eine schnelle Umfrage vor dem Schloss zeigt. „Wir haben einige Welterbe-Stätten besucht und Schwerin ist im Vergleich sehr gut“, sagt ein Tourist. Ein anderer meint „Es ist ein sehr beeindruckendes Gebäude und wir sind dankbar, es ist wunderbar.“ Eine Frau schwärmt: „Es ist eines der schönsten Schlösser, das ich jemals gesehen habe in Deutschland und auch in anderen Ländern – also es ist den Welterbestatus definitiv wert.“