Vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am Sonntag werben die Parteien am Freitag bei Abschlussveranstaltungen um Stimmen. Neue Umfragen sagen in beiden Ländern knappe Rennen an der Spitze voraus – in Mecklenburg-Vorpommern zwischen SPD und AfD, in Berlin zwischen Linker und CDU. Beide Wahlen könnten auch für die politische Zukunft von Kanzler Friedrich Merz (CDU) entscheidend sein.
SPD überholt AfD in MV
Die Forschungsgruppe Wahlen hat für ein ZDF-„Politbarometer Extra“ vom 14. bis 17. September Wahlberechtigte befragt. In Mecklenburg-Vorpommern hat die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig die AfD demnach überholt. Die SPD kommt auf 37 Prozent, drei Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche. Die AfD mit Herausforderer Leif-Erik Holm verliert einen Punkt und liegt bei 36 Prozent.
Die CDU verliert einen Punkt und kommt mit nur noch sechs Prozent der Fünf-Prozent-Hürde bedrohlich nahe. Die mit der SPD regierende Linke büßt einen Punkt auf neun Prozent ein. Die Grünen müssen mit unverändert fünf Prozent um den Einzug bangen, das BSW liegt bei vier Prozent. Unklar ist, ob es für eine Neuauflage der Koalition aus SPD und Linken reicht. Womöglich bräuchte es die Grünen für ein Dreierbündnis. Mit der AfD will keine andere Partei koalieren.
Schwesig-Faktor und Wahlkampfabschlüsse
Die SPD profitiert offenbar von Schwesigs Beliebtheit. Bei einer Direktwahl der Ministerpräsidentin läge Schwesig laut ZDF-Umfrage mit 61 Prozent weit vor Holm mit 30 Prozent. Schwesig grenzte sich im Wahlkampf häufig von der Bundespolitik ab. Beim Wahlkampfabschluss in Rostock sind die SPD-Länderchefs Anke Rehlinger (Saarland), Dietmar Woidke (Brandenburg), Peter Tschentscher (Hamburg) und Olaf Lies (Niedersachsen) zu Gast.
Die Nordost-CDU verzichtet auf Bundesprominenz. Die AfD bietet die Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla sowie Ulrich Siegmund aus Sachsen-Anhalt auf. Die Grünen mit Spitzenkandidatin Claudia Müller setzen auf Franziska Brantner und Felix Banaszak, die Linke auf Heidi Reichinnek sowie Dietmar Bartsch, Gregor Gysi und Bodo Ramelow.
Berlin: Kopf-an-Kopf-Rennen
In Berlin liegt die Linke von Spitzenkandidatin Elif Eralp mit 22 Prozent knapp vor der CDU mit Stefan Evers auf 20 Prozent. Es folgen AfD mit 18, Grüne mit 15 und SPD mit zwölf Prozent. Das BSW kann mit vier Prozent hoffen. Bei der Frage nach dem Regierungschef nennen 25 Prozent Eralp, 24 Prozent Evers, zwölf Prozent Werner Graf von den Grünen.
Laut Umfragen kommt keine Zweier-Koalition auf eine Mehrheit, auch nicht das regierende Bündnis aus CDU und SPD. Wahrscheinlicher sind Dreier-Koalitionen – entweder CDU, Grüne und SPD oder Linke, Grüne und SPD. Die AfD bliebe außen vor. Im Wahlkampffinale treten in Berlin unter anderem Ines Schwerdtner, Gregor Gysi, Ricarda Lang, Sahra Wagenknecht und Klaus Wowereit auf.
Die Forschungsgruppe Wahlen befragte 1.395 beziehungsweise 1.611 Wahlberechtigte. Die Fehlertoleranz beträgt bei 40 Prozent plus/minus drei Prozentpunkte, bei zehn Prozent plus/minus zwei Punkte. Wahlumfragen sind immer mit Unsicherheiten behaftet und keine Prognosen.
Ausblick auf 2027
Mit dem Sonntag endet ein spannendes Wahljahr. Den Auftakt machte am 8. März Baden-Württemberg, wo Cem Özdemir neuer Ministerpräsident wurde. In Rheinland-Pfalz löste CDU und SPD die Ampel ab, Gordon Schnieder ist neuer Regierungschef. In Sachsen-Anhalt ist die Regierungsbildung nach der Wahl vom 6. September noch offen. 2027 werden fünf Landesparlamente neu gewählt: Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen im April, Bremen und Niedersachsen im Mai und September. Ende Januar kommt die Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten zusammen.