Wahlkampffinale in MV und Berlin: SPD vor AfD, Linke knapp vorn
Wahlkampffinale: SPD vor AfD, Linke knapp vorn

Zwei Wochen nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt richten sich die Blicke auf den Wahlsonntag in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Spitzenvertreter der Parteien warben vor dem Wochenende in Interviews, bei Veranstaltungen und Abschlusskundgebungen um Stimmen. Neue Umfragen sagen in beiden Ländern knappe Rennen an der Spitze voraus: im Norden zwischen SPD und AfD, in der Hauptstadt zwischen Linker und CDU.

Weitreichende Auswirkungen

Die Wahlen haben Auswirkungen über beide Länder hinaus. Je nachdem, wie die CDU abschneidet, könnte die Debatte über die politische Zukunft von Parteichef und Kanzler Friedrich Merz erneut Fahrt aufnehmen. Seit Tagen wird darüber debattiert, ob er sich halten kann.

Zudem dürfte nach dem Sonntag klarer werden, wie es in Sachsen-Anhalt weitergeht, wo die AfD mit 43,8 Prozent ihr stärkstes Ergebnis ihrer Geschichte erreicht, ihr Ziel einer Alleinregierung aber verfehlt hat. Die Parteien können nach dem Wahltag freier über mögliche Mehrheiten sprechen.

Lage in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern hat die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig laut ZDF-"Politbarometer Extra" die AfD nach monatelanger Aufholjagd überholt und kommt auf 37 Prozent, 3 Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche. Die AfD mit Herausforderer Leif-Erik Holm büßt einen Punkt ein und liegt bei 36 Prozent. Verfehlt er den angestrebten Wahlsieg, bremst das den AfD-Lauf nach der Sachsen-Anhalt-Wahl aus.

„Wenn wir sehen, dass die AfD ein Potenzial hat von bis zu 45 Prozent, ist es schon eine große Leistung, dass wir die AfD hier weit unter 40 Prozent drücken", sagte Schwesig im ZDF-"Morgenmagazin".

Auch die mit der SPD regierende Linke büßt einen Punkt auf 9 Prozent ein. Die Grünen müssen mit unverändert 5 Prozent um den Einzug in den Landtag bangen – ebenso wie das BSW, das bei 4 Prozent liegt. Unklar ist, ob es für eine Neuauflage der Koalition aus SPD und Linken reichen wird. Womöglich bräuchte es die Grünen für ein Dreierbündnis, sofern diese in den Landtag kommen. Mit der AfD will keine der anderen Parteien koalieren.

CDU in der Gefahrenzone

Besonders im Fokus steht die CDU. In der Umfrage verliert sie einen Punkt und kommt mit nur noch 6 Prozent der Fünf-Prozent-Hürde bedrohlich nahe. Würde die CDU nicht mehr in den Landtag gewählt, hielte es eine Mehrheit von 56 Prozent für unwahrscheinlich, dass Merz sich dann noch als Kanzler halten könnte, wie eine repräsentative Civey-Umfrage für Welt TV ergab. Nur 25 Prozent gehen davon aus, dass sich Merz dann weiter im Amt halten könnte, 19 Prozent sind unentschieden.

Diese Sorge habe sie nicht, sagte CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann im selben Sender mit Blick auf ein mögliches Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde. „Wir kämpfen bis zum Schluss und sind da sehr motiviert und sehr optimistisch."

Lage in Berlin

In Berlin könnte erstmals eine Linken-Politikerin Regierende Bürgermeisterin werden. Laut ZDF-"Politbarometer Extra" liegt die Linke mit 22 Prozent knapp vor der CDU mit Spitzenkandidat Stefan Evers, die auf 20 Prozent kommt. Es folgen AfD mit 18, Grüne mit 15 und SPD mit 12 Prozent. Das BSW kann mit 4 Prozent auf den Einzug ins Abgeordnetenhaus hoffen.

Laut allen Umfragen der vergangenen Wochen kommt keine Zweier-Koalition auf eine Mehrheit, auch nicht das regierende Bündnis aus CDU und SPD. Wahrscheinlicher sind Dreier-Koalitionen – entweder CDU, Grüne und SPD oder Linke, Grüne und SPD. Die AfD dürfte bei der Regierungsbildung außen vor bleiben, weil die übrigen Parteien eine Zusammenarbeit mit ihr ablehnen.

Unsicherheiten von Wahlumfragen

Die Forschungsgruppe Wahlen befragte im Auftrag des ZDF vom 14. bis 17. September 1.395 beziehungsweise 1.611 Wahlberechtigte in beiden Bundesländern. Die Fehlertoleranz wird bei einem Anteilswert von 40 Prozent mit plus/minus drei Prozentpunkten angegeben, bei zehn Prozent plus/minus zwei Punkte. Die Umfrage ist den Angaben zufolge repräsentativ.

Wahlumfragen sind immer mit Unsicherheiten behaftet. Nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen erschweren die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang.