ID.Polo: VW setzt Hoffnung auf günstigen Elektro-Kleinwagen
ID.Polo: VW setzt Hoffnung auf günstigen E-Kleinwagen

VW in der Krise: Hoffnungsträger ID.Polo

Volkswagen durchlebt eine tiefe Krise: Der Gewinn brach im ersten Halbjahr um fast ein Drittel ein, drastische Sparmaßnahmen drohen. Überlegungen, Werke in Emden, Hannover, Zwickau und bei Audi in Neckarsulm zu schließen und insgesamt 100.000 Stellen zu streichen, sorgten für wütende Proteste. Mögliche Schließungen sind vorerst vom Tisch, doch der Druck bleibt hoch. Als Hoffnungsträger gilt nun der ID.Polo, ein Elektro-Kleinwagen, der unter 25.000 Euro kosten soll.

ID.Polo: Bezahlbare Elektromobilität von VW

Der ID.Polo ist das aktuell einzige VW-Elektroauto unter 25.000 Euro – zumindest in der Basisversion. Im Herbst soll die Auslieferung beginnen. Marken-Vertriebschef Martin Sander bezeichnet den ID.Polo als Wendepunkt: „Der ID.Polo ist in gewisser Hinsicht ein Wendepunkt, weil wir jetzt mit der Elektromobilität in ein Preissegment vorstoßen, in dem es in der Vergangenheit noch keinen Volkswagen zu kaufen gab.“ Die Nachfrage ist groß: 3.000 Autos der Launch Edition waren binnen 24 Stunden vergriffen, mehrere Zehntausend Kunden haben den ID.Polo in Europa vorbestellt.

Technische Details und Preis

Der gut ausgestattete Probefahrt-Wagen kostet rund 35.000 Euro für 450 Kilometer Reichweite und diverse Assistenzsysteme. Die Basisversion bietet eine kleinere Batterie mit knapp 330 Kilometern Reichweite, Stahlfelgen und kein Navigationssystem. Für den Einstiegspreis von weniger als 25.000 Euro ist das offenbar nicht drin. Im kommenden Jahr will VW ein weiteres Elektro-Modell für rund 20.000 Euro auf den Markt bringen – Arbeitstitel ID.Every1. VW-Produktmanager Erwin Gabardi hält Autos für 10.000 Euro in Europa für illusorisch: „Ich glaube nicht, dass wir in Europa mit dem, was wir an Lohnkosten, was wir an Rohstoffkosten, was wir an Energiekosten reinstecken, Autos für 10.000 Euro sehen werden. Das gibt es aber im Verbrennerbereich auch nicht.“

Autoexperte: ID.Polo als Gamechanger

Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management sieht im ID.Polo einen möglichen Gamechanger: „Ich glaube tatsächlich, dass der ID.Polo so eine Art Gamechanger sein kann.“ Design, Innenausstattung und Qualität hätten einen Sprung nach vorne gemacht. Entscheidend sei, den ID.Polo günstig anzubieten und damit Geld zu verdienen. Bratzel betont den Abbau von Überkapazitäten: VW könne weltweit elf bis zwölf Millionen Fahrzeuge pro Jahr herstellen, verkauft wurden im vergangenen Jahr aber nur rund neun Millionen – Tendenz sinkend.

Standort Deutschland: Wenig Profit für heimische Werke

Der ID.Polo wird in Martorell in Spanien gebaut, der kommende ID.Every1 voraussichtlich nicht in Deutschland. Markenchef Thomas Schäfer argumentiert, dass man ein Fahrzeug wie den ID.Polo in Deutschland nicht wettbewerbsfähig herstellen könne: „Die iberische Halbinsel ist dafür ideal. Warum? Weil die über viele Jahre hausgehalten haben mit den Arbeitskosten.“ Dennoch ist der Widerstand gegen Sparpläne in Deutschland groß – das Land Niedersachsen kann mit seiner Sperrminorität Werksschließungen verhindern. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies fordert eine Zukunftsperspektive für die Standorte.

Strukturelle Krise und Herausforderungen

Die Krise ist nicht temporär, sondern strukturell. Bratzel sieht die Überlebensfähigkeit des Konzerns im Zukunftsmarkt gefährdet. VW müsse in Technologien wie autonomem Fahren, Robotik und KI investieren, sonst stehe in den 2030er-Jahren die Existenz auf dem Spiel. Auch die Premiumtöchter Porsche und Audi schwächeln. In China droht das Geschäft wegzubrechen, in den USA belasten Zölle. VW-Chef Oliver Blume hält Werksschließungen zwar für die teuerste Lösung, doch die Suche nach einem Ausweg läuft.

E-Auto-Förderung der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat ein Förderprogramm für E-Autos über drei Milliarden Euro aufgelegt. Bis Ende Juni wurden erst 50 Millionen Euro ausgegeben. Bis 23. Juli lagen knapp 92.000 Anträge vor, 25.000 sollen bereits genehmigt sein. Die Höchstförderung von 6.000 Euro gibt es für Familien mit Kindern und einem zu versteuernden Jahreseinkommen von maximal 45.000 Euro, die Basisförderung von 3.000 Euro für Einkommen bis 80.000 Euro. Fast die Hälfte der Anträge kommt aus Haushalten mit bis zu 45.000 Euro Jahreseinkommen, viele davon für Leasing. Die VW-Gruppe liegt mit knapp 3.000 geförderten E-Autos an der Spitze, als Einzelmarke führt Tesla mit gut 2.000. Rund 15 Prozent der Anträge entfallen auf chinesische Marken.