Zwölf Abgänge bei Hertha BSC: Rutscht der Club in Liga zwei ab?
Zwölf Abgänge bei Hertha BSC: Abstiegsgefahr?

Hertha BSC hat als letzter deutscher Club der ersten beiden Ligen seinen ersten externen Neuzugang präsentiert: Der österreichische U21-Nationalspieler Oluwaseun Adewumi wird vom englischen Zweitligisten FC Burnley ausgeliehen. Der Offensivspieler soll die vielen Lücken im Kader füllen, die durch die Abgänge zahlreicher Schlüsselspieler entstanden sind.

Komplette Achse verloren

Kapitän und Topscorer Fabian Reese wechselte zum VfL Wolfsburg, Jungstar Kennet Eichhorn zu Bayer Leverkusen. Torwart Tjark Ernst, von vielen Experten als bester Keeper der zweiten Liga der vergangenen Saison bezeichnet, ging zu Feyenoord Rotterdam. Kreativspieler Michael Cuisance schloss sich dem RC Lens an. Insgesamt verließen zwölf Spieler den Club, die Ablösesummen sollen über 20 Millionen Euro betragen. Zudem gelten Linus Gechter und Marten Winkler als wechselwillig.

Finanzieller Druck zwingt zu sparsamer Kaderplanung

Trotz der Einnahmen ist der Handlungsspielraum des klammen Hauptstadtclubs begrenzt. Medienberichten zufolge muss Hertha einen Transferüberschuss erwirtschaften und das Budget im vierten Zweitligajahr deutlich reduzieren. Der Club setzt daher vor allem auf Leihgeschäfte, die oft erst spät in der Transferperiode zustande kommen. Trainer Stefan Leitl hatte bereits Mitte Juli gefordert: „Es muss jetzt definitiv was passieren.“ Doch der erste Neuzugang kam erst kurz vor Ende des Trainingslagers in Tirol.

Positive Aspekte und veränderte Spielweise

Es gibt auch gute Nachrichten: Im Vergleich zum Vorjahr hatte Leitl wenige Verletzte in der Vorbereitung. Umworbene Profis wie Offensivmann Josip Brekalo und Eigengewächs Julian Eitschberger verlängerten ihre Verträge. Leitl plant einen offensiveren Fußball mit höherem Pressing und mehr Torgefahr – auch wenn dies mehr Gegentore bedeuten könnte. „Ich glaube, wir werden auch das eine oder andere Gegentor schlucken müssen mit der Art und Weise, aber grundsätzlich dieser offensive Gedanke gefällt uns sehr, sehr gut und so machen wir weiter“, sagte er in Tirol.

Druck vor dem Saisonstart

Gesucht werden noch ein Mittelstürmer, ein Linksverteidiger und ein Torwart. Ob diese Verpflichtungen zeitnah gelingen, ist fraglich. Geschäftsführer Peter Görlich hatte im April „die größte Transformation im Fußball“ angekündigt. In der vergangenen Saison verfehlte Hertha mit Platz sieben den Aufstieg deutlich. In der kommenden Spielzeit zählt der Club nicht zu den Aufstiegsfavoriten, Teile der Fans befürchten sogar den Abstiegskampf. Unter den Anhängern herrscht Galgenhumor, etwa in sozialen Medien mit fiktiven Aushängen, die dringend Spieler suchen.