In Tückhude, einem Ortsteil von Golchen im Nordosten der Mecklenburgischen Seenplatte, gibt es weiterhin keine offizielle Bushaltestelle – obwohl dort mit dem Lernort Tückhude eine Bildungseinrichtung mit Schule, Kita und Hort existiert. Eine Petition mit 1.911 digitalen Unterschriften hat jedoch dazu geführt, dass das Deutschlandticket künftig auch im Ilsebus gültig ist.
Lage und fehlende Anbindung
Der Ortsteil liegt gut 17 Kilometer südöstlich von Demmin und etwa 13 Kilometer nördlich von Altentreptow. In der gesamten Gemeinde leben laut Statistischem Amt Mecklenburg-Vorpommern rund 260 Personen. Der nächste Bahnhof ist über sechs Kilometer entfernt in Gnevkow, die nächste Bushaltestelle „Golchen Dorf“ liegt gut 3,5 Kilometer entfernt und wird mehrmals täglich in Richtung Neubrandenburg, Altentreptow oder Jarmen angefahren.
Bereits im vergangenen Jahr forderten Engagierte aus der Region eine „Gleichberechtigung zwischen Stadt und Land“, wie Alina Wander, Vorstandsmitglied vom Lernort Tückhude, sagte. Die Schülerin Malinka, die gerne für Veranstaltungen in den Lernort kommt, ist wegen der fehlenden Haltestelle auf ihre Eltern angewiesen. Auch Anouk aus Hohenbüssow berichtete von Problemen: „Meine Eltern können nicht immer den Fahrpreis für den Ilsebus zahlen. Dann muss ich die Fahrten von meinem Taschengeld bezahlen“, kritisierte die Jugendliche.
Erfolg der Petition
Ein Ziel der Engagierten war die Verbesserung des Rufbussystems. „Ziel ist es, dass man mit dem Deutschlandticket auch kostenfrei den Ilsebus nutzen kann“, sagte Laura Loeber vom Lernort damals. Eine entsprechende Petition wurde im Internet gestartet und nach gut einem Jahr erfolgreich beendet. Insgesamt 1.911 digitale Unterschriften wurden gesammelt, davon kamen 1.253 aus Vorpommern-Greifswald und über 550 aus anderen Regionen. 43 Prozent der Unterzeichner gaben an, selbst von der Verkehrsproblematik betroffen zu sein. Auch aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gab es Unterstützung im niedrigen zweistelligen Bereich.
Der Landkreis habe beschlossen, dass das Deutschlandticket auch für den Ilsebus gültig sein soll. „Das heiße zugleich, dass Kindern und Jugendlichen mit einem Deutschlandticket mehr Geld zur Verfügung steht“, freut sich Johannes Hecht, der auch als Linken-Kommunalpolitiker aktiv ist. Trotz einiger Hürden wurde der Vorschlag im Kreistag angenommen.
Ausblick und Forderungen
Johannes Hecht und Alina Wander unterstützen zugleich die Forderung der Grünen, ein kostenloses U-27-ÖPNV-Ticket einzuführen. „Ich halte das Deutschlandticket für das wichtigste Instrument für die Verkehrswende“, sagt Hecht, dafür müsse es jedoch einen „sozialen Preis“ haben. Wander betont: „Die Menschen auf dem Lande bezahlen zwar mit ihren Steuerzahlungen das Deutschlandticket mit, aber sie haben nicht so viel davon wie die Stadtbewohner, weil hier kein Bus regelmäßig fährt.“
Die Idee der Grünen, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Mecklenburg-Vorpommern eine kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu ermöglichen, hält Wander grundsätzlich für gut. „Da würden wohl alle Kinder und Jugendlichen zustimmen“, ergänzt Johannes Hecht. Eine Änderung wird es in dem kleinen Ortsteil, der lediglich aus einer Dorfstraße besteht, jedoch vorerst nicht geben: „So bekommt Tückhude auch in nächster Zeit keine Bushaltestelle“, bilanziert Alina Wander.