Im Ortsteil Tückhude von Golchen im Nordosten der Mecklenburgischen Seenplatte gibt es weiterhin keine Bushaltestelle, obwohl sich dort eine Bildungseinrichtung mit Schule, Kita und Hort befindet. Der nächste Bahnhof liegt über sechs Kilometer entfernt in Gnevkow, die nächste Bushaltestelle „Golchen Dorf“ ist gut 3,5 Kilometer entfernt. In der gesamten Gemeinde leben laut Statistischem Amt Mecklenburg-Vorpommern rund 260 Personen.
Petition mit fast 2.000 Unterschriften
Schon im vergangenen Jahr forderten Engagierte aus der Region eine „Gleichberechtigung zwischen Stadt und Land“, wie Alina Wander, Vorstandsmitglied vom Lernort Tückhude, damals sagte. Betroffen war unter anderem die Schülerin Malinka, die für Veranstaltungen in den Lernort kommt und auf ihre Eltern angewiesen ist. Auch Anouk aus Hohenbüssow berichtete von Problemen: „Meine Eltern können nicht immer den Fahrpreis für den Ilsebus zahlen. Dann muss ich die Fahrten von meinem Taschengeld bezahlen“, kritisierte die Jugendliche.
Ein Ziel der Engagierten war die Verbesserung des Rufbussystems. „Ziel ist es, dass man mit dem Deutschlandticket auch kostenfrei den Ilsebus nutzen kann“, sagte Laura Loeber vom Lernort damals. Im Internet wurde eine entsprechende Petition gestartet.
Erfolg für die Initiative
Ein gutes Jahr später kann in Tückhude ein Erfolg gefeiert werden. Insgesamt 1.911 digitale Unterschriften wurden gesammelt, die an den Kreistag Vorpommern Greifswald gerichtete Aktion ist beendet. 1.253 Unterschriften kamen aus Vorpommern-Greifswald, über 550 aus anderen Regionen. 43 Prozent der Unterzeichner gaben an, selbst von der Verkehrsproblematik betroffen zu sein. Auch aus anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen kam Unterstützung im niedrigen zweistelligen Bereich.
Der Landkreis habe beschlossen, dass das Deutschlandticket auch für den Ilsebus gültig sein soll. Das heiße zugleich, „dass Kindern und Jugendlichen mit einem Deutschlandticket mehr Geld zur Verfügung steht“, freut sich Johannes Hecht, der auch als Linken-Kommunalpolitiker aktiv ist. Zwar habe es einige Hürden gegeben, doch am Ende wurde der Vorschlag im Kreistag angenommen.
U27-Ticket als mögliche Zukunft
„Ich halte das Deutschlandticket für das wichtigste Instrument für die Verkehrswende“, sagt Johannes Hecht, dafür müsse es jedoch einen „sozialen Preis“ haben. Für ihn und Alina Wander ist es wichtig zu betonen, dass hauptsächlich Menschen in den Städten vom Deutschlandticket profitieren. „Die Menschen auf dem Lande bezahlen zwar mit ihren Steuerzahlungen das Deutschlandticket mit“, erläutert Alina Wander. „Aber sie haben nicht so viel davon wie die Stadtbewohner, weil hier kein Bus regelmäßig fährt.“
Die von den Grünen im Rahmen der Landtagswahl entwickelte Idee, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Mecklenburg-Vorpommern eine kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs durch ein U27-Deutschlandticket zu ermöglichen, hält Alina Wander grundsätzlich für gut. Sie betont, dass es eine wichtige Aufgabe sei, den ländlichen Raum insbesondere für junge Leute attraktiv zu machen. „Da würden wohl alle Kinder und Jugendlichen zustimmen“, ergänzt Johannes Hecht.
Eine Sache wird sich in dem kleinen Ortsteil, der lediglich aus einer Dorfstraße besteht, in der nahen Zukunft jedoch nicht ändern. Der Wunsch nach einer flächendeckenden Versorgung über die Kreisgrenzen hinweg sei nicht erfüllt worden. „So bekommt Tückhude auch in nächster Zeit keine Bushaltestelle“, bilanziert Alina Wander.