Im Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow hat die Großmutter des Jungen am Freitag vor dem Landgericht Rostock ausgesagt. Sie berichtete, wie der Kontakt zwischen Fabian und seinem leiblichen Vater nach langer Ablehnung durch einen Zufall wieder zustande kam.
Zufall führte zur Wiederannäherung
„Meine Tochter und ich haben uns 2025 in der Urlaubsplanung vertan, deshalb habe ich die andere Großmutter gefragt, ob sie im August 2025 tagsüber auf Fabian aufpassen könnte“, erzählte die 57-Jährige. Sie brachte den Jungen zu seiner Tante und deren Sohn, wo er tagsüber blieb. Bei dieser Gelegenheit sei Fabians Tante mit ihm an der Arbeitsstelle seines Vaters vorbeigefahren, „dort ist dann das Eis zwischen den Beiden wieder gebrochen“.
Fabians Eltern hatten sich 2018 getrennt. Im Vorschulalter 2023/2024 wollte der Junge plötzlich nicht mehr an den Wochenenden zum Vater, weil „Papa zu Gina böse war“, gab die Zeugin die Worte des Jungen wieder. Gina H. und Fabians Vater waren jahrelang ein Paar, bis der Mann sich im August 2025 von ihr trennte. Er habe gesagt, er stehe „praktisch wie unterm Pantoffel bei ihr“.
Angeklagte unter Mordverdacht
Die 30-jährige Reitsportlerin Gina H. aus Reimershagen steht wegen heimtückischen Mordes an dem Jungen vor Gericht. Sie soll Fabian am 10. Oktober 2025 von zu Hause in Güstrow abgeholt und an einem Tümpel bei Klein Upahl erstochen haben. Als klar war, dass Fabian einem Verbrechen zum Opfer gefallen war, habe man schnell an die Angeklagte gedacht, meinte die Großmutter. Die 30-Jährige könnte eifersüchtig auf den Jungen gewesen sein, weil der Vater nun wieder mehr Zeit mit seinem Sohn statt für sie hatte.
Laut Anklage soll die Angeklagte mit ihrer Pferdehaltung von ihrem Ex-Freund finanziell und auch bei anderen Dingen abhängig gewesen sein. Gina H., die von Erwerbsunfähigkeitsrente lebt, nahm allein 2025 an zwölf Reit- und Springturnieren teil, unter anderem in Pasewalk und Malchow, und belegte dort vordere Plätze. Die Trennung von Fabians Vater habe sie nicht akzeptieren wollen.
Neue Ermittlungsansätze
Der 35-jährige Vater hatte im Prozess erklärt, dass er nun wieder mit der Angeklagten zusammen sei. „Wir haben seitdem keinen Kontakt mehr zu ihm“, sagte die Zeugin. Zudem könnte ein 37-jähriger Nachbar der Angeklagten stärker in den Fokus der Ermittler rücken. Die Verteidigung regte an, Tagesablauf und Autorouten des Bekannten aus Reimershagen erneut ausführlich zu prüfen. So könnten heimliche Treffen mit der Angeklagten am 9. und 10. Oktober 2025 an zwei Waldseen länger gewesen sein als bisher angegeben, sagte Anwalt Andreas Ohm. Damit wäre der gesamte Zeitablauf der Anklage nicht mehr haltbar. Auch einige Angaben des 37-Jährigen müssten überprüft werden. Ermittler vermuten, dass der Mann, ein Jäger, nach der Trennung heimlich ein sexuelles Verhältnis zu der 30-Jährigen hatte.
Die Angeklagte schweigt im Prozess, laut Verteidigung bestreitet sie die Vorwürfe. Sie will sich am 24. August erstmals äußern. Laut Anklage soll sie am Tag vor dem Mord, am 9. Oktober 2025, in Güstrow unterwegs gewesen sein, um Fabian zu treffen, was aber nicht geklappt haben soll. Die Verteidigung will zudem das Alibi von Fabians Vater überprüfen lassen. Der 35-Jährige war am 10. Oktober im Betrieb, soll aber mittags gegen 11.00 Uhr mindestens eine Stunde weg gewesen sein – dies gilt als Tatzeitraum. Ein Förster bestätigte ein kurzes Treffen wegen Holzeinschlags, aber mit welchem Fahrzeug der Vater unterwegs war, blieb ungeklärt. Sein eigenes Auto hatte er morgens in eine Werkstatt gebracht. Zu den Beweisanträgen müssen Staatsanwaltschaft, Nebenklage und das Landgericht noch Stellung nehmen.