Vom DDR-Matrosen zum Jäger der Kunstdiebe: Rene Allonge im Porträt
Vom DDR-Matrosen zum Jäger der Kunstdiebe

Rene Allonge ist seit 2009 Leiter der Abteilung 444 des Landeskriminalamts Berlin, die sich auf Kunstdiebstähle und -fälschungen spezialisiert hat. Der gebürtige Malchiner, der in Neubrandenburg aufwuchs, wurde international bekannt, als sein Team 2010 den Fälscher Wolfgang Beltracchi enttarnte. Zuletzt ermittelte er gegen ein Rentnerpaar aus Demmin, das 2024 zahlreiche Plastiken und Bronzen in Berlin gestohlen haben soll.

Vom Matrosen zum Ermittler

Allonge wurde in Malchin geboren und zog mit fünf Jahren nach Neubrandenburg. Ursprünglich wollte er zur Handelsmarine, doch seine enge Westverwandtschaft verhinderte das in der DDR. Stattdessen begann er eine Ausbildung zum Vollmatrosen mit Abitur bei der Hochseefischerei in Rostock – mitten in der Wendezeit. Die Reedereien kündigten den Lehrlingen nach wenigen Tagen. „Als 16-Jähriger war der Traum plötzlich weg“, erinnert er sich.

Nach dem Abitur bewarb er sich bei der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen, entschied sich aber für Berlin, wo er direkt im gehobenen Dienst eingestellt wurde. „Die große weite Welt, die Stadt hat gereizt“, blickt er zurück. Nach Jahren im Bereich spezialisierte Eigentumskriminalität suchte er eine neue Herausforderung – und fand sie in der Abteilung für Kunstdelikte, die es nur noch in Bayern und Baden-Württemberg gibt.

Die Jagd auf Beltracchi und andere Fälle

2010 enttarnten Allonge und sein Team Wolfgang Beltracchi, der Gemälde im Stile von Campendonk, Pechstein und anderen Künstlern gemalt hatte. „Rotes Bild mit Pferden“, ein vermeintlicher Campendonk, erzielte damals 2,9 Millionen Euro. Auch 15 Jahre später ist der Fall nicht abgeschlossen: Der Bundesgerichtshof verhandelt im Oktober darüber, ob der Fälscher das Bild vom jetzigen Besitzer herausverlangen kann.

Allonges Abteilung ermittelte auch in spektakulären Diebstählen echter Kunst: der 100 Kilogramm schweren Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Bode-Museum, dem Schmuck aus dem Grünen Gewölbe in Dresden und dem Kunstraub aus Schloss Friedenstein in Gotha von 1979.

Grabräuber aus Demmin

Im vergangenen Jahr führte ein Fall Allonge in seine alte Heimat. Zwei Grabräuber aus Demmin waren für das Verschwinden zahlreicher Plastiken und Bronzen in Berlin verantwortlich, auch Ehrengräber waren betroffen. Die Berliner Abteilung verband Anzeigen aus Berlin, Brandenburg, Hamburg und Lübeck. Das Landgericht Berlin verurteilte beide Demminer zu noch nicht rechtskräftigen Haftstrafen, einen Hehler zu einer Bewährungsstrafe.

Der Kellerraum mit gestohlener Grabkunst hat sich inzwischen geleert, doch zahlreiche Zaunelemente, Jesus-Figuren und andere schwere Gegenstände sind weiterhin keinem Tatort zuzuordnen. Allonge schätzt die Unterstützung der Kollegen vor Ort: „totale Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft“. Den gebürtigen Malchiner zieht es immer wieder in die alte Heimat, wo er Verwandte und Freunde besucht. „Ich mag die Menschen hier“, sagt er.