Der Biomarkt Seenplatte in der Friedländer Straße gehört seit 20 Jahren zum Stadtbild von Neubrandenburg. Geschäftsführer Michael Kruse hat mit seinem Laden zwei große Krisen überstanden und sich die Freude an der Arbeit bewahrt.
Vom Marktstand zum eigenen Laden
Bevor Michael Kruse den Laden übernahm, stand er als Student mit langen Haaren und Wollpullover auf dem Neubrandenburger Markt und verkaufte Obst und Gemüse. Bio war damals eine Nische, mancher Passant belächelte ihn. Heute kennt er die Schattenseiten des Geschäfts: große Handelsketten, Preisdruck, steigende Kosten und Kunden, die genau überlegen, wofür sie ihr Geld ausgeben.
2006 machte sich Kruse selbstständig, zunächst mit einem Biolieferdienst. Drei Jahre später übernahm er den Laden in der Friedländer Straße. Der damalige Laden war alt und die Ausstattung überholt. Kruse nahm einen Kredit auf und baute ihn komplett um. „Wenn ich es mache, möchte ich es, soweit ich das kann, so gut machen, wie es geht“, sagt er.
Krisen und verändertes Einkaufsverhalten
Während der Corona-Zeit kochten mehr Menschen zu Hause und achteten stärker auf ihre Ernährung. Der Lieferservice wurde zeitweise so stark nachgefragt, dass zusätzliche Räume nötig wurden. Danach änderte sich die Lage: Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine stiegen Energie- und Transportkosten, die Inflation stieg. Manche Kunden kommen heute seltener, kaufen dann aber mehr auf einmal. Gleichzeitig gibt es weiterhin treue Stammkunden.
Frische und Regionalität als Schwerpunkt
Der Schwerpunkt des Geschäfts liegt bei Obst und Gemüse, Backwaren, Käse und Molkereiprodukten. Es gehe nicht nur darum, Waren möglichst günstig zu verkaufen: Die Kunden suchen vor allem Frische und Produkte, die sie nicht überall finden. So fragten zwei Kunden nach Rohmilchprodukten – allerdings nicht im Plastikbecher. Heute werden Quark und andere Produkte vom Hof Zandershagen im Pfandglas angeboten, die Kunden bringen die Gläser zurück.
Bei der Herkunft schaut Kruse genauer hin: Als regional gilt für ihn ein Betrieb, dessen Firmensitz höchstens etwa 150 Kilometer von Neubrandenburg entfernt liegt. Entscheidend ist für ihn nicht die Landesgrenze, sondern dass Wertschöpfung in der Region bleibt. Davon profitieren auch kleine Produzenten, denn für große Handelsketten seien ihre Mengen oft zu gering. Ein kleiner Hof könne auch dann liefern, wenn er nur einmal pro Woche genügend Ware habe.
Dass Bio häufig teurer ist als im Discounter, sieht Kruse nicht unbedingt als Nachteil. Für ihn geht es um einen fairen Preis: „Ein kleiner Hof muss von seiner Arbeit leben können.“ Genau darin sieht er einen Unterschied zum „Billig-Bio“ der großen Handelsketten.
Die Freude an der Sache
Michael Kruse sagt, die Kunden merkten, wenn die Mitarbeiter selbst Spaß an den Produkten hätten. Genau das mache den Laden authentisch. „Das, was wir hier tun, das macht uns Spaß“, sagt der Geschäftsführer. Nach 20 Jahren ist die Freude an der Sache für ihn die eigentliche Konstante geblieben – trotz veränderter Preise, Kunden und Verkaufsweisen.