Handwerker nach 45 Jahren krank: Kritik an Politik und Forderung nach mehr Wertschätzung
Handwerker nach 45 Jahren krank: Kritik an Politik

Beim Wahlkampfauftritt der SPD in Neubrandenburg mit Manuela Schwesig hat ein Handwerker seine Situation geschildert: 45 Jahre habe er gearbeitet, nun sei er krank und sehe keine Zukunft für seine Branche. Er forderte mehr Anerkennung und bessere Bedingungen für junge Leute.

Wahlkampfauftritt mit Bürgerfragen

Die SPD hatte für den Auftritt einiges aufgeboten: Es gab eine Bühne, Livemusik, mehrere Stände, Bratwurst und Waffeln. Eine Rede der Ministerpräsidentin wurde zunächst von einer Protestgruppe aus einigen Metern Entfernung gestört, dann wurde es ruhiger. Doch die Bürger ließen die Spitzenkandidatin nicht so einfach gehen. Umringt von einer Menschentraube beantwortete sie noch gut zwei Stunden nach ihrem Auftritt Fragen – auch von ihren zuvor noch lautstarken Kritikern.

Handwerker berichtet von Berufsunfähigkeit

Unter den Bürgern waren Udo Meyer und seine Partnerin Evelin Prinz. Eigentlich wollten sie nur zuschauen, doch als sich die Gelegenheit bot, arbeiteten sich beide zu Schwesig vor. „Ich habe 45 Jahre durchgearbeitet“, schilderte Meyer. Als Heizungs- und Sanitärinstallateur habe er zuletzt bei der Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft (Neuwoba) gearbeitet, bis es seit 2021 nicht mehr ging. Bandscheibenschäden, Reha-Maßnahmen, aktuell nutzt er einen elektrischen Rollstuhl, um seinen Rücken zu schonen.

Da er 1961 geboren wurde, gelte für ihn eine Vertrauensschutzregelung nicht mehr und er habe keinen gesetzlichen Anspruch mehr auf eine Erwerbsminderungsrente wegen Berufsunfähigkeit, schilderte Meyer. Die Hürden für eine Anerkennung seien größer geworden. Der 65-Jährige sprach von den Belastungen, die es mit sich bringe, so spät noch in die Arbeitslosigkeit zu rutschen.

Forderung nach mehr Attraktivität des Handwerks

Eigentlich wollte er gar nicht über sich reden, sondern über die Menschen, die morgen noch Heizungen reparieren und Wärmepumpen einrichten sollen. „Für mich ist es zu spät, doch es muss mehr dafür getan werden, dass junge Leute diese Berufe übernehmen wollen.“ Das Handwerk sei schließlich „der geilste Beruf, den wir haben“.

Der Nachwuchsmangel sei bereits heute ein Problem und wenn die Politik nicht dafür sorge, dass die Branche attraktiv bleibe, dann habe sie keine Zukunft. Dazu gehöre auch eine sichere Perspektive im Krankheitsfall. Udo Meyer sprach von Wertschätzung, die er aktuell nicht sehe: „Wir werden von der Merz-Regierung in den Hintern getreten.“ Im Handwerk sei es nicht so einfach, das Rentenalter weiter zu erhöhen.

Reaktionen von Schwesig und Kontakt zu SPD-Kandidat

Von Manuela Schwesig erhoffe er sich da mehr Verständnis. Seine Partnerin Evelin Prinz empfand ebenso: „Sie spricht verständlich und man merkt, dass sie auch weiß, wovon sie spricht.“ Ins Gespräch mischte sich auch Erik von Malottki ein, der für die SPD ein Direktmandat in Neubrandenburg anstrebt. Der Politiker tauschte mit Udo Meyer und Evelin Prinz Kontakte aus, und es gab bereits ein Treffen.