Ein junger Mann aus Mecklenburg-Vorpommern hat mit einem Beitrag im Netz eine große Diskussion ausgelöst. Er schreibt, dass er keinen Grund sieht, seine Heimat zu verlassen – und nennt einen überraschenden Grund: die Nähe zur Ostsee.
Beitrag im Netz sorgt für Diskussion
„Im Osten leben ist eigentlich echt geil“, schreibt er in einem vielbeachteten Beitrag auf Reddit. Er verstehe nicht, warum so viele Menschen – „vor allem jüngere so wie ich“ – Ostdeutschland verlassen würden. Gleichzeitig räumt er ein, dass es „eine Menge Probleme“ gebe. Als Beispiele nennt er die schwache Infrastruktur und die geringe Zahl an Industrie-Arbeitsplätzen. Gut bezahlte Jobs seien vielerorts Mangelware.
Sein großes Aber: Er wohne direkt an der Ostsee. Gerade einmal zehn Minuten müsse er zu Fuß bis zum Strand laufen. Das sei für ihn attraktiver, als sich an einem heißen Sommertag mit unzähligen anderen Menschen ins Freibad zu quetschen. Dazu komme seine Anstellung mit Tariflohn-Basis und die Hoffnung, in den kommenden Jahren in Mecklenburg-Vorpommern ein bezahlbares Einfamilienhaus zu finden.
Ostsee als stärkster Bleibegrund?
Rund 1300 Menschen beteiligten sich bisher an der Diskussion. Während einige Kommentatoren die Ostsee-Fraktion unterstützen, kommt immer wieder derselbe Einwand: Der Osten ist eben nicht überall Ostsee. Ein Nutzer formuliert es deutlich: Der Verfasser habe „eine geile Situation“. Ein anderer mahnt: „Ostsee und Görlitz sind schon zwei Welten.“
Mecklenburg-Vorpommern bekommt aber auch viel Lob. „MV ist jetzt auch nicht unbedingt der typische ‚Osten‘“, betont ein Nutzer. Ein anderer bringt es auf den Punkt: Wer an der Ostsee lebt und einen vernünftigen Job hat, habe eigentlich keinen Grund, wegzuziehen.
Bezahlbarer Wohnraum als Argument
Ein Nutzer berichtet von seiner Zeit in Zeitz (Sachsen-Anhalt) und schwärmt vom günstigen Mietpreis und dem Preis-Leistungs-Verhältnis seiner Wohnung. Für jemanden, der aus dem Westen komme, sei das regelrecht „surreal“ gewesen. Auch Leipzig, Dresden und Gera werden als Orte genannt, an denen er eine gute Zeit gehabt und nur wenig Miete gezahlt habe.
Ein anderer Kommentator hält dagegen: Wenn er nach dem Studium in Leipzig genauso viel verdient hätte wie in Hamburg, wäre er vermutlich geblieben. Andere betonen, dass man in ostdeutschen Metropolen zwar weniger für die Wohnung zahle als in München oder Stuttgart, dafür aber mit weniger Jobs und schlechterer Infrastruktur leben müsse.
Erfahrungsberichte und politische Stimmung
Eine Nutzerin berichtet, sie habe lange in einer ostdeutschen Stadt direkt an der Ostsee im Plattenbau gelebt und sei dort „super“ zurechtgekommen. Inzwischen wohne sie auf dem Dorf in Brandenburg – und ihr Urteil fällt völlig anders aus: Das Leben dort mache für sie eigentlich nur die Nähe zu Berlin erträglich. Eigentlich wolle sie nur noch weg.
Auch die politische Stimmung im Osten wird angesprochen. Einige nennen die starke AfD-Unterstützung als Grund, weshalb sie bestimmte Regionen meiden würden. Andere widersprechen vehement und wollen nicht akzeptieren, dass der gesamte Osten auf diese Frage reduziert wird. „Erzähl bitte den Wessis nicht, wie schön es an der Ostsee ist, sonst kaufen die uns noch mehr Häuser weg“, scherzt ein Nutzer – und bekommt Zustimmung. Die beliebten Regionen an der Ostsee sind längst nicht mehr überall der günstige Geheimtipp, als den manche sie darstellen.