Nach einem Wahlkampfauftritt in Grimmen hat der Zentralrat der Sinti und Roma Strafanzeige gegen AfD-Chef Tino Chrupalla gestellt. Die Anzeige wegen Volksverhetzung und Beleidigung wurde bei der Staatsanwaltschaft Heidelberg eingereicht. Der Eingang wurde von der Ermittlungsbehörde bestätigt.
Aussagen über Waffenfund und Minderheiten
Rund zwölf Minuten nach Beginn seiner Rede vor etwa 400 Zuhörern im Kulturhaus Grimmen sorgte Chrupalla mit einer Bemerkung über den jüngsten Waffenfund in einem Wald bei Berlin für Aufsehen. Er zog den Fall ins Lächerliche, obwohl der Generalbundesanwalt wegen Terrorgefahr ermittelt und Geheimdienst-Experten das Depot mit russischen Anschlagsplänen in Verbindung gebracht haben.
Chrupalla sagte, die Waffen hätten „wahrscheinlich irgendwelche Zigeuner dort verloren, beim Pilzesuchen“. Das Publikum reagierte zunächst mit Gelächter und anschließend mit lautem Applaus.
Zentralrat zeigt sich fassungslos
Der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose, zeigte sich in einer Pressemitteilung fassungslos. 81 Jahre nach Auschwitz hetze eine gesichert rechtsextreme Partei im Wahlkampf auf zynische Art wieder gegen Sinti und Roma. Die AfD schüre Angst und verbreite Hass gegen Minderheiten, um Menschen auszugrenzen und zu stigmatisieren.
Rose stellte die Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Heidelberg. Sehr wahrscheinlich werde das Verfahren an die zuständigen Kollegen in Stralsund abgegeben.
Chrupalla wiegelt ab
Chrupalla erklärte, er habe nicht die Volksgruppen der Sinti und Roma gemeint. Wen er mit seiner Aussage gemeint haben könnte, blieb offen. Der AfD-Politiker versuchte abzuwiegeln: „Sollte ich jemandem zu nahe getreten sein, war das nicht meine Absicht.“ Chrupalla ist Mitglied der sächsischen AfD, die als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.
Bei seiner Rede in Grimmen legte er nach dem Beifall für seinen „Zigeuner-Satz“ eine weitere Abfälligkeit nach, die erneut auf Minderheiten gemünzt war: Auf jeder kurdischen Hochzeit in Berlin „da haben die Waffen ohne Ende, bei jeder Hochzeit, mehr als nur zwei Pistolen“. Auch hierfür erntete er lauten Beifall. Der AfD-eigene Youtube-Kanal schwenkte in die Zuschauerreihen. Ins Bild kamen auch die klatschenden Landtagsabgeordneten Stephan Reuken und Horst Förster. Förster war vor seiner Pensionierung Direktor am Amtsgericht Neubrandenburg.