Der Sänger Jan „Monchi“ Gorkow aus Jarmen hat mit „Jenseits der Brandmauer“ ein neues Buch veröffentlicht. Die öffentliche Premierenlesung findet am 11. August in seiner Heimatstadt statt.
Neues Buch über das Leben in der Provinz
Vier Jahre nach seinem ersten Buch „Niemals satt“ erzählt der Frontmann der Band „Feine Sahne Fischfilet“ (FSF) in neuen Geschichten aus seinem Leben. Diesmal geht es um Probleme, die nicht mit der Waage zu tun haben, aber nach seiner Auffassung politisch gesehen mindestens XXL-Ausmaße annehmen.
Der am 13. August bei „Kiepenheuer & Witsch“ erscheinende Titel „Jenseits der Brandmauer – Über mein Leben in der ostdeutschen Provinz“ befasst sich mit der Situation in seiner Heimat, besonders in Mecklenburg-Vorpommern. Der 38-Jährige ist in Jarmen an der Peene aufgewachsen und hält ihr bis heute die Treue.
Polarisierung und Zusammenhalt
Monchi weiß, dass in der Provinz viele Menschen die AfD wählen, von der er nichts hält. Trotz der Kampagne „Noch nicht komplett im Arsch“ zur Landtagswahl 2016 und zahlreicher Aktionen gegen einen Rechtsruck verzeichneten die folgenden Abstimmungen stetigen Zuwachs für dieses Lager.
Auch das eigene Musikfestival „Wasted in Jarmen“ mit breiter lokaler Zustimmung über politische Grenzen hinweg konnte daran nichts ändern. Ebenso wenig die Initiative zur Errichtung eines BMX-Skate-Parks in der Stadt. Monchi macht sich keine Illusionen, wie die nächste Landtagswahl im September ausgehen könnte.
54 Prozent AfD im Ort
„Ich lebe in einem Ort, in dem 54 Prozent der Menschen, mehr als jeder zweite, bei den letzten Wahlen ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben“, resümiert er. Er wohne da, wo sich „Brandmauer“ für viele wie ein Wort aus der Großstadt anfühle und auf lokalpolitischer Ebene oft nur noch wie ein „Mäuerchen“ scheine.
„Ich lebe da, wo man sich nicht einfach aus dem Weg gehen kann“, stellt der Vorpommer fest. Man müsse sich miteinander auseinandersetzen, einfache Antworten seien nicht mehr alltagstauglich, und man zahle einen Preis, wenn man sich positioniere.
Festival: „Alle sind willkommen“
„Brandmauer, das gibt’s hier gar nicht“, äußerte der Familienvater 2025 in einer ZDF-Sendung. „Für uns ist die Grenze beim ‚Wasted in Jarmen‛ erstmal, alle seid willkommen, kommt mal her.“
Der 38-Jährige räumte ein, dass nicht jeder lokale Besucher und Mitstreiter die Ansichten der Band teilt oder ihre Musik mag. Trotzdem packten sie über Vereine und Institutionen mit an und schnupperten in die Festival-Atmosphäre.
„Es gibt einen Song von uns, da heißt es ‚Lasst uns schaun, was uns verbindet und nicht was uns trennt‛. Genau das wollen wir mit unserem Festival erreichen“, kommentierte er. „Wir wollen zeigen, was hier Geiles geht in Jarmen.“
Bleibt nach der Wahl
Er werde auch nach der Wahl noch hier sein, macht der Mann klar. „Ich bin kein Politiker, der nach dem Wahlkampfstand wieder wegfährt. Ich bin kein Journalist, der zwei Tage nach MV kommt, um seine Reportage zu schreiben. Kein Aktivist, der sich nach der Wahl eine neue Kampagne sucht.“ Manchmal kotze er ab, doch er liebe Mecklenburg-Vorpommern. „Aber Liebe ist bekanntlich niemals nur einfach.“
Buch und Lesereise
Über all das und noch viel mehr habe er das neue Buch geschrieben. „Es ist kein Roman, sondern Geschichten, Gedanken, Widersprüche, Fragezeichen und Ausrufezeichen aus meinem Leben. Von mir.“
Dass das Buch ausgerechnet zum 65. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer erscheint, sei Zufall, erklärt Gorkow. Er verbinde das Datum 13. August mehr mit der Hochzeit seiner Eltern.
Eine Lesereise durch Deutschland soll Ende November starten. Für den 12. August ist eine Kostprobe in der Wal-Strandbar in Rostock-Warnemünde versprochen.
Premiere am BMX-Skate-Park
Die öffentliche Premiere behält sich der Sänger für seine Heimatstadt vor – am 11. August ab 19 Uhr am BMX-Skate-Park. „Ihr braucht kein Ticket. Ich nehme keinen Eintritt. Jeder ist willkommen“, so die Einladung.
„Wir haben einige Stühle und Bänke organisiert. Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, bringt euch einfach selbst einen Klappstuhl oder irgendwas zum Sitzen mit.“ Für Trinken und Essen sorgen die Eltern der Blau-Weiß 21 Jarmen-Kids. „Die Einnahmen bleiben komplett beim Verein“, informiert der Autor.