Das Kino Latücht war ausverkauft, als die Nordkurier-Mediengruppe zum dritten Legenden-Talk einlud. Schwimm-Ikone Kornelia Ender und der ehemalige DDR-Nationalspieler Lothar Kurbjuweit sorgten für einen kurzweiligen Abend, den Nordkurier-Reporter Frank Wilhelm moderierte.
Ein Abend voller Erinnerungen an Montreal 1976
Die Gäste wurden auf eine Reise zu den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal entführt. Damals eroberten die DDR-Sportler 90 Medaillen, darunter 40 goldene. Zu den Stars gehörte Kornelia Ender mit viermal Gold und einer Silbermedaille. Die damals 17-Jährige gewann innerhalb von 25 Minuten zwei Finalläufe – über 100 Meter Schmetterling mit Egalisierung ihres eigenen Weltrekords und über 200 Meter Freistil mit neuem Weltrekord.
Viele Erinnerungen an die Spiele seien verblasst, erzählte Ender, doch diese beiden Goldmedaillen am 22. Juli 1976 sind immer präsent: „Das hat danach ja kein weiterer Athlet probiert. Es ist damals so viel passiert, die Zeit war so schnelllebig, aber dieser Tag ist im Kopf geblieben.“
Lothar Kurbjuweit und das Fußballturnier
Auch Lothar Kurbjuweit hat Olympia 76 stets in Gedanken. Mit der DDR-Auswahl gewann der Abwehrspieler überraschend das Fußballturnier. Im Finale setzte sich die DDR gegen die favorisierten Polen mit 3:1 durch. Mit einem Lachen erzählte der Ex-Kicker vom FC Carl Zeiss Jena, dass auf dem Rasen des Olympiastadions vorher die Springreiter ihre Wettbewerbe ausgetragen hatten. Der Rasen habe schlimm ausgesehen, dazu habe es in Strömen geregnet. „Die Kanadier haben die Löcher einfach mit Sägespänen zugemacht und grüne Farbe drauf gespritzt. Es war ein schlimmer Platz“, sagte er.
Die Fußballer sollten nach dem ersten Gruppenspiel (0:0 gegen Brasilien) schon nach Hause geschickt werden. Der oberste Boss des DDR-Sports, Manfred Ewald, trommelte die Mannschaft im Olympischen Dorf zusammen: „Er hat uns mitgeteilt, was für Pfeifen wir doch seien.“ Nationaltrainer Georg Buschner konnte den Funktionär halbwegs beruhigen – der Ausgang ist bekannt. Am Ende musste Ewald die Fußballer beglückwünschen.
Vergleich zwischen München 1972 und Montreal 1976
Die Spiele in Montreal bezeichneten Ender und Kurbjuweit als wunderbar; sie zogen einen Vergleich zu den Spielen vier Jahre zuvor in München, bei denen beide bereits dabei waren. Die Schwimmerin war damals mit 13 Jahren die jüngste Starterin. „Montreal war einzigartig, wirklich toll, wir konnten uns frei bewegen, sind mit der U-Bahn quer durch die Stadt gefahren“, sagte der Ex-Fußballer und fügte hinzu: „In München wurden wir damals noch als Ulbricht-Schweine beschimpft. In München durften wir nicht raus, erst recht nicht mehr nach dem Attentat auf die israelischen Sportler.“
Kornelia Ender erzählte mit einem Schmunzeln, dass sie gar nicht mehr wisse, ob sie etwas von Montreal oder München gesehen habe: „Ich war voll konzentriert auf meine Wettkämpfe. Ich kann mich aber noch gut daran erinnern, dass in München überall Obst herumlag, da haben wir ordentlich zugegriffen.“
Doping-Debatte und Systemkritik
Beim Thema Doping in der DDR wurde die ehemalige Weltklasse-Schwimmerin energisch: „Westdeutsche haben im Kopf, dass wir alle gedopt waren. 72 in München war ich viel zu jung dafür. Ich war einfach ein Naturtalent, das in Strukturen aufgewachsen ist.“ Dass die DDR das Doping später systematisierte, wollte sie nicht abstreiten: „Vielleicht wurde ich auch gedopt, ich weiß es aber nicht.“
Beide Olympiasieger bedauern, dass das DDR-Sportsystem mit dem Fall der Mauer abgewickelt worden ist. Sie sind sich sicher, dass man vieles hätte übernehmen können, ja, vielleicht müssen.
Ein gelungener Abend mit Vorfreude auf das nächste Jahr
Peter Stahlberg, der auch im nächsten Jahr beim vierten Legenden-Talk dabei sein wird, sagte: „Es ist einfach eine tolle Veranstaltung.“ Am Ende eines launigen Sommerabends fuhren Ender und Kurbjuweit bestens gelaunt zurück ins Hotel. „Das hat großen Spaß gemacht, die Menschen hier waren alle gut informiert und überhaupt nicht unvoreingenommen“, sagte der Ex-Fußballer. Kornelia Ender kann sich sogar vorstellen, noch einmal nach Neubrandenburg zu kommen: „Es war sehr schön hier.“
Unterstützt wurde der Legenden-Talk von der Fliesen-Platten- und Mosaikleger Liebich + Co. GmbH, der Pluspunkt Apotheke im Neubrandenburger Marktplatz-Center und Brehmer Rechtsanwälte Neubrandenburg.