Trost im Leid: Pfarrer Kischkewitz über stille Anteilnahme
Trost im Leid: Pfarrer über stille Anteilnahme

Wenn Worte in der Krise leer klingen, zählt stille Anteilnahme. Das schreibt Pfarrer Hans-M. Kischkewitz in seinem Wort zum Sonntag. Ein Bild aus dem Buch Jesaja setze den Ton: das geknickte Rohr und der glimmende Docht als leise Zusage von Kraft.

Worte in der Verzweiflung

„Hätten wir es vorher gewusst, was da auf uns zukommt mit einer solchen Krankheit – wir hätten es nicht geschafft.“ Das sagte ihm Gudrun neulich. Zu hören „Ihr werdet es schon packen“, ist wenig hilfreich. „Es wird schon werden“, ist gut gemeint, muss aber so nicht gehört werden. In der ersten Verzweiflung über ein Schicksal verletzen solche Redewendungen oft. Sie erwecken den Eindruck, man nähme die Ohnmacht nicht ernst.

Kleine Wunder der Zuwendung

Erst im Rückblick wird es möglich zu sagen: „Ich weiß nicht, wie, aber irgendwie ging es.“ Familie, Freunde, Nachbarn wurden zur Hilfe. Auch unerwartet. Kleine Gesten der Anteilnahme kamen genau in dem Moment, als man nur noch schleppenden Schrittes zur Haustür kam. Eine Schulter zum Anlehnen, ein offenes Ohr waren da, als niemand wissen konnte, wie nötig sie waren. Jedes Mal ein kleines Wunder der Zuwendung. Und die Kraft hat gereicht.

Wochenspruch von Jesaja

Er könne nicht wissen, wie die ersten Hörer Jesajas Worte aufnahmen. Aus ihrer Heimat verschleppt, weit weg nach Osten, und keine Hoffnung, je wieder nach Hause zu kehren. Fühlten sie sich ernst genommen bei diesen Worten: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen (Jesaja 42,3 – Wochenspruch). Was für merkwürdige Bilder. Das umgebrochene Schilfrohr ist nicht mehr zu gebrauchen, um etwa ein stabiles Dach daraus zu fertigen. Ein glimmender Docht erhellt keinen Raum mehr.

Die Kraft wird reichen

Zwei eigentlich unnütz gewordene Gegenstände werden durch Jesaja zur Hoffnung: Die Kraft wird reichen. Wie unnütz, zerbrochen oder kraftlos man sich fühlen möge: Gott selbst schützt das Zerborstene und den flackernd-glimmenden Docht. Die letzte Kraft in uns, dass sie reicht. Oft gegen allen Augenschein. Kraft, die reicht, wünscht der Pfarrer den Lesern für ihren Lebensweg mit dem Segen Gottes.