Höcke-Auftritt in Neubrandenburg: AfD-Stärke und Riss in der Gesellschaft
Höcke-Auftritt in Neubrandenburg: AfD-Stärke und Riss

Mit einem schlichten „Dankeschön“ beendete Björn Höcke um 19.38 Uhr seine Rede auf dem Neubrandenburger Marktplatz. Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag war am 3. September als Gast bei einem Wahlkampftermin aufgetreten. Zuvor hatten bereits die AfD-Politiker Hannes Gnauck, Robert Schnell und Stephan Scheel gesprochen. Höcke wird vom Verfassungsschutz in Thüringen ebenso wie der gesamte AfD-Landesverband als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.

Hunderte Teilnehmer und ein breites Themenspektrum

In seiner Rede behandelte Höcke ein breites Spektrum an Themen, darunter die Landespolitik in Thüringen und Bundeskanzler Friedrich Merz. Über ihn sagte er: „Dieser Mann ist in meinen Augen fremdgesteuert.“ Auch die für Sonntag anstehende Wahl in Sachsen-Anhalt wurde in den Reden der Politiker immer wieder thematisiert. In dem Bundesland liegt die AfD aktuellen Umfragen zufolge weit vor den anderen Parteien, eine Alleinregierung könnte möglich sein.

Der AfD-Bundestagspolitiker Enrico Komning moderierte die Veranstaltung. Er schätzte die Teilnehmerzahl zunächst auf gut 700 Personen und korrigierte sich im Verlauf nach oben auf gut 1.000 Personen. Polizeisprecherin Claudia Berndt sagte dem Nordkurier vor Ort, dass sich im abgesperrten Bereich gut 600 Teilnehmer der AfD-Veranstaltung befanden. Unter den Zuschauern waren auch mehrere bekannte Livestreamer. Nach der Veranstaltung hatten Unterstützer die Möglichkeit, Selfies mit Björn Höcke zu machen.

Gegendemonstranten und Polizei vor Ort

Die Veranstaltung wurde von vielen Gegendemonstranten begleitet. Während der Reden kam es immer wieder zu Buh- und Zwischenrufen sowie Pfiffen. Immer wieder wurden „Nazis raus“-Sprechchöre angestimmt, auch „Höcke raus“ war zu hören. Gegen 19 Uhr seien noch gut 180 Teilnehmer bei der Gegendemonstration gewesen, die zuvor vom Bahnhof in die Innenstadt gezogen war, sagte Claudia Berndt. Außerhalb des abgesperrten Bereichs befanden sich laut Polizeiangaben etwa 300 Zuschauer, unter denen auch weitere Gegendemonstranten waren.

Über den gesamten Marktplatz hinweg waren während der Veranstaltung etliche Polizisten positioniert. Zu größeren Störungen und Vorfällen kam es laut Polizei nicht. Das Einsatzkonzept habe funktioniert, bilanzierte die Polizeisprecherin.

Weitere AfD-Besuche angekündigt

Für Björn Höcke war es nicht der erste Auftritt in der Vier-Tore-Stadt. Bereits 2017 besuchte er Neubrandenburg, um im Rahmen des damaligen Bundestagswahlkampfes für seine Partei zu werben. Auch damals wurde die Veranstaltung von zahlreichen Gegendemonstranten mit Musik und Pfiffen begleitet. Am Freitag geht es für Höcke in Stralsund mit der nächsten AfD-Wahlkampfveranstaltung weiter, auch dort sind Proteste angekündigt.

In gut zwei Wochen steht in Neubrandenburg der nächste Besuch von prominenten AfD-Politikern an. Wie Robert Schnell dem Nordkurier auf Anfrage bestätigte, kommen am 18. September, zwei Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla nach Neubrandenburg. Beide werden im Haus der Kultur und Bildung auftreten.