Das Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs in Burg Stargard verfällt zunehmend. Die Namen der Gefallenen auf dem Gedenkstein sind kaum noch lesbar. Eine Sanierung kann die Stadt aus eigenen Mitteln nicht finanzieren, wie Bürgermeister Tilo Lorenz (CDU) auf Anfrage mitteilte.
Denkmalpflegerische Zielstellung erarbeitet
Die Stadt habe bereits vor einiger Zeit eine denkmalpflegerische Zielstellung für die Anlage erarbeiten lassen. Dabei sei deutlich geworden, dass eine fachgerechte und umfassende Sanierung mit erheblichen Kosten verbunden wäre. „Die ermittelten finanziellen Aufwendungen haben auch uns in ihrer Höhe überrascht. Eine solche Sanierung kann die Stadt aus eigenen Mitteln nicht finanzieren“, erklärte der Bürgermeister.
Hinzu komme, „dass für die Erhaltung und Sanierung denkmalgeschützter Anlagen insgesamt nur sehr begrenzte Fördermittel zur Verfügung stehen“, so Lorenz weiter. Die Stadt müsse deshalb auch innerhalb der Denkmalpflege Prioritäten setzen. Das betreffe beispielsweise die Burganlage und das Heilig-Geist-Hospital, bei denen ebenfalls ein erheblicher Sanierungsbedarf bestehe.
Finanzielle Lage der Stadt angespannt
„Auch für zahlreiche andere kommunale Pflichtaufgaben reichen die vorhandenen finanziellen Mittel kaum aus“, schildert Lorenz die Lage in der geschichtsträchtigen Stadt mittelalterlichen Ursprungs. Er bekräftigt: „Dass das Kriegerdenkmal bislang nicht grundlegend saniert wurde, liegt nicht am fehlenden Willen der Stadt, sondern an ihren begrenzten finanziellen Möglichkeiten und den konkurrierenden dringenden Aufgaben.“
Eine umfassende Sanierung lasse sich deshalb auch für die kommenden Jahre derzeit nicht verlässlich in Aussicht stellen. Im Übrigen sehe er, wenn es um den Erhalt historischen Erbes geht, nicht allein die Kleinstadt, sondern auch den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und das Land Mecklenburg-Vorpommern in der Pflicht.
Hobbyhistoriker kritisiert Zustand
Heimatkundler André Rohloff aus Neubrandenburg ist der Zustand des Denkmals in seiner Nachbarstadt ein Graus. „Als Hobbyhistoriker, der 2019 für die Erforschung der Toten des Ersten Weltkriegs im alten Landkreis Stargard mit der Immanuel-Kant-Medaille ausgezeichnet wurde, erfüllt mich der fortschreitende Verfall dieser Anlage mit großer Sorge“, schreibt er an die Redaktion.
„Die Schrift auf dem Gedenkstein verblasst weiter, und wirksame Maßnahmen sind nicht erkennbar. Wenn ein zeithistorisch relevantes Denkmal über einen Zeitraum von fast einem Jahrzehnt trotz bekannter Mängel keine sichtbare Zuwendung erfährt, wirft dies Fragen bezüglich der Prioritätensetzung in der lokalen Erinnerungskultur auf“, kommentiert der Neubrandenburger. Er werde „die Entwicklung weiterhin aufmerksam verfolgen“.
Wer die Errichtung des Denkmals seinerzeit konkret veranlasst und finanziert hat und welche Namen ursprünglich vollständig auf den Tafeln verzeichnet waren, lässt sich nach dem derzeitigen Kenntnisstand nicht zweifelsfrei beantworten. Erbaut worden sei die Gedenkstätte Anfang bis Mitte der 1920er Jahre. Sie erinnere an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Männer aus Burg Stargard sowie aus Orten, die heute zum Stadtgebiet gehören.