L35 bei Jarmen: Zehn Kilometer Baustellenlücke für Autofahrer
L35 bei Jarmen: Zehn Kilometer Baustellenlücke

Die L35 südlich von Jarmen gleicht derzeit auf zehn Kilometern einem großen Lückenteppich aus Kleinbaustellen. Alle paar hundert Meter stehen Bagger, Bohrer und Firmenfahrzeuge, dazu kommen Gruben im Boden und Materialstapel. Beidseitig von Völschow präsentiert sich der Straßenrand auf mehreren Kilometern wie eine Großbaustelle.

Tempolimits und halbseitige Sperrungen

Häufig sind die Fahrbahn eingeengt und die Geschwindigkeitsbegrenzungen wechseln. Immer wieder gibt es Abschnitte mit halbseitiger Sperrung der Landesstraße, flankiert von Baustellenampeln und kurzen Staus.

Auslöser sind Erschließungs- und Anschlussarbeiten für weitere Windkraftanlagen neben L35 und A20 in der Nachbargemeinde Bartow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte), wie Völschows Bürgermeister Thomas Breitsprecher berichtet. Seine Kommune liegt mitten im Geschehen, weil Stromeinspeisung und Steuerung über das Umspannwerk Jarmen laufen sollen.

Zentraler Knoten im Leitungssystem

Die Einrichtung unweit der Kreuzung von B110 und L35 südlich der Peenestadt dient als zentraler Knoten im Leitungssystem der Region. Im Zuge der Energiewende wurde sie in den vergangenen Jahren umfangreich erweitert. Rund zehn Kilometer Luftlinie vom Standort der Windräder kurz nördlich vor Groß Below müssen überbrückt werden.

Das Gros der Arbeiten passiert entlang der Landesstraße, weil diese nahezu schnurstracks zwischen beiden Punkten verläuft. Wie es durch Völschow selbst vorangeht, wisse er momentan nicht, so der Bürgermeister.

Horizontalspülbohrverfahren im Einsatz

Auf der freien Strecke kommt vorrangig das sogenannte Horizontalspülbohrverfahren zum Einsatz, in der Branche auch HDD abgekürzt – für die englischen Wörter Horizontal Directional Drilling. Diese Methode verlegt Rohre oder Kabel unterirdisch, ohne einen langen Graben auszuschachten.

Das Verfahren läuft in drei Schritten ab. Zuerst werden Start- und Zielgruben zwischen den einzelnen Bohrabschnitten ausgehoben. Von dort startet eine Pilotbohrung mit einem lenkbaren Bohrkopf, den eine Spezialflüssigkeit kühlt und das Loch stabilisiert. Am Ziel wird ein größerer Aufsatz montiert und zurückgezogen, um den Tunnel zu vergrößern. Gleichzeitig zieht dieser „Räumer“ ein direkt dahinter befestigtes Leerrohr in den Kanal mit ein.

Bei diesem Projekt kommen Leerrohre aus Polyethylen hoher Dichte zum Einsatz, mit 225 Millimeter Durchmesser und 14,5 Meter Lieferlänge. Per Stumpfschweißverfahren werden die einzelnen Stücke vor dem Einziehen ins Erdreich zusammengefügt.

Die Arbeiten und Einschränkungen entlang der L35 dauern bereits mehrere Wochen an und werden es wohl auch noch eine Weile. Bisher steht das Bohren und Verlegen auf einem Großteil der Strecke aus. Dem Vernehmen nach soll alles bis spätestens Ende September erledigt sein.