Die Gemeinnützige Werk- und Wohnstätten GmbH (GWW) wird künftig erstmals von einer Frau geführt. Kathleen Exner (43) tritt die Nachfolge von Martin Kühl (65) an, der das in der Uecker-Randow-Region und in Woldegk (Mecklenburgische Seenplatte) tätige Unternehmen seit 2008 als Geschäftsführer leitet und zuvor ab 2003 Verwaltungsleiter war. Für eine Übergangszeit bis zum Jahresende bilden beide eine Doppelspitze.
„Die Gesellschafter haben uns eine ausreichende Zeit zugestanden, um Kathleen Exner einzuarbeiten. Dafür sind wir sehr dankbar“, erklärt Martin Kühl. Eine zeitlich begrenzte Doppelspitze sei perfekt, damit Kathleen Exner das Team, Bereiche und Projekte kennenlernt, sagt der 65-Jährige. So könne man den Übergang reibungslos hinbekommen.
Exner kommt aus dem Fach
Die Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung ist für Kathleen Exner nichts Neues: Zuletzt war sie neun Jahre Leiterin der Buggenhagen-Werkstätten beim Evangelischen Diakoniewerk Bethanien Ducherow. Die 43-Jährige hat in Pasewalk ihr Abitur abgelegt, in Hamburg Pädagogik studiert und 14 Jahre bei der Bundeswehr in Torgelow gedient.
„Diese Übergangszeit zu zweit ist schon sehr wertvoll für mich. Das hilft ungemein“, sagt die Mutter zweier Kinder, die mit ihrer Familie in Eggesin wohnt. Bei der GWW sei sie auf ein motiviertes und engagiertes Team gestoßen, das sich einbringe. Sie wolle das Unternehmen weiterentwickeln und mit dem Betrieb weiterhin eine aktive Rolle in der Region spielen. Wichtig sei die seit Jahren praktizierte Zusammenarbeit mit den Kommunen – so betreibt die GWW etwa die Strandbewirtschaftung im Haffbad Ueckermünde oder den Friedhof in Ueckermünde.
Standorte und Arbeitsbereiche
Zu den besonderen Wohnformen der GWW gehören nach Angaben der beiden Geschäftsführer 15 Standorte, hinzu kommen die beiden integrativen Kitas in Torgelow und Pasewalk. Rund 600 Menschen mit Behinderung, Beeinträchtigung oder Handicap zählen zum Unternehmen, dazu kommen 235 Mitarbeiter.
Die Beschäftigten in den Werkstätten sind in verschiedenen Bereichen eingesetzt. So gibt es die Gärtnerei in Koblentz, Fleischerei und Landwirtschaft in Woldegk oder Montagearbeiten für Automobilzulieferer in Pasewalk. Auch eine Wäscherei, eine Großküche sowie die Garten- und Landschaftspflege betreibt das Unternehmen. Zudem widmet sich die GWW der Berufsausbildung.
Knallhartes Geschäft ohne Bonus
An Aufträge zu gelangen, sei auch für die GWW als mittelständisches Unternehmen ein knallhartes Geschäft, betont Martin Kühl. Am Ende müsse für die gemeinnützige Gesellschaft etwas übrigbleiben, um investieren und am Markt bleiben zu können. Als Partner der Wirtschaft gebe es für die GWW keinen Bonus als Behinderten-Werkstatt.
Die Arbeit sei für die Menschen mit Beeinträchtigungen kein bloßer Broterwerb, sondern Mittel der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, fügt Kathleen Exner hinzu.
Kühl bleibt ehrenamtlich aktiv
Martin Kühl bleibt nach eigenen Angaben auch nach seinem Ausscheiden als Geschäftsführer der GWW ehrenamtlich erhalten. Auch in der Pasewalker Kommunalpolitik will er sich weiter engagieren und die Stadtentwicklung mitgestalten.
Die GWW wurde im Jahr 1992 von den Vereinen Lebenshilfe Uecker-Randow Pasewalk, Awo Ortsverein Woldegk sowie Gemeinnützige Lebenshilfe Haus Siedenfeld Ueckermünde gegründet.