Fast sieben Meter Gefälle: Die tiefste Schleuse Mecklenburgs in Bobzin
Fast sieben Meter Gefälle: Die tiefste Schleuse Mecklenburgs

Im Lübzer Ortsteil Bobzin hat die Elde als Teil der Elde-Müritz-Wasserstraße ein starkes Gefälle: Fast sieben Meter Höhenunterschied auf kurzer Strecke. In den 1920er-Jahren wurden hier ein Wasserkraftwerk und eine Schleuse gebaut. Die Schleuse gleicht rund 6,80 bis 7 Meter aus und gilt damit als tiefste in Mecklenburg. Das Kraftwerk ging 1925 in Betrieb, wurde nach dem Krieg demontiert, später erneut stillgelegt und Ende der 1990er-Jahre wieder für die Stromerzeugung hergerichtet.

Kohleknappheit brachte den Bau voran

Nach dem Ersten Weltkrieg war Kohle knapp, der Bedarf an Strom stieg. Bei Bobzin bot das Gefälle der Elde eine Möglichkeit, elektrische Energie zu erzeugen, ohne zusätzliche Brennstoffe zu verbrauchen. Zwischen 1923 und 1925 entstanden Kraftwerk und Schleuse. Für den Bau wurde der Flusslauf verändert: Ein Teil der Elde wurde begradigt, ältere Schleusen aus dem Jahr 1803 gingen außer Betrieb. Zwei dieser früheren Anlagen sind in Fahrenhorst und in Forsthof bei Kuppentin noch erhalten.

Nach dem Krieg verschwanden Turbinen

Am 8. Mai 1925 nahm das Wasserkraftwerk Bobzin den Betrieb auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die technische Ausrüstung im Zuge sowjetischer Demontagen ausgebaut und abtransportiert. Das Maschinenhaus blieb stehen, Strom konnte dort nicht mehr erzeugt werden. Erst 1954 erhielt das Kraftwerk neue Technik und ging wieder ans Netz. 1974 wurde es erneut abgeschaltet. Technische Probleme spielten eine Rolle, zeitweise stand auch nicht genug Wasser zur Verfügung. Die Landwirtschaft benötigte große Mengen, und die Stromversorgung hatte sich inzwischen verändert.

Ende der Neunziger neuer Betrieb

1993 übernahm die Familie Zieher das Gelände mit Kraftwerk und ehemaligem Wohnhaus der Beschäftigten. Ende der 1990er-Jahre wurde die Anlage wieder für die Stromerzeugung vorbereitet. Seit 1999 liefert das Wasserkraftwerk erneut Strom nach Lübz. Im früheren Maschinenhaus befindet sich heute ein Museum zur regionalen Stromversorgung. Dort stehen alte Stromzähler, Spannungsprüfer, Schaltgeräte, Fotos und Unterlagen aus mehreren Jahrzehnten. Viele Stücke stammen aus Mecklenburg, andere wurden aus weiteren Teilen Deutschlands abgegeben.

Mehr als 200 alte Stromzähler

Eine Wand voller Stromzähler hat eine eigene Vorgeschichte. Ein Sammler hatte zu Hause immer mehr dieser Geräte zusammengetragen, bis seine Frau genug davon hatte. Die Zähler kamen nach Bobzin. Heute hängen dort mehr als 200 Stück dicht nebeneinander. Zum Gelände gehört auch das frühere Wohn- und Dienstgebäude der Schleusen- und Kraftwerksbeschäftigten. Heute wird das Haus als Gästehaus genutzt. Früher befanden sich darin mehrere kleine Wohnungen. Auf dem Grundstück standen Ställe und ein Obstgarten zur Selbstversorgung.

Die Anlage arbeitet bis heute

Bobzin ist kein stillgelegtes Technikdenkmal. Die Schleuse gleicht weiter den größten Höhenunterschied an der Müritz-Elde-Wasserstraße aus, das Kraftwerk liefert seit 1999 wieder Strom nach Lübz. Auch das frühere Wohnhaus der Beschäftigten wird weiter genutzt. Damit ist von der ursprünglichen Anlage mehr geblieben als Mauerwerk und Erinnerung. Der Ort hat Demontage, Stillstand und Umbau überstanden – und erfüllt bis heute Aufgaben, für die er vor rund hundert Jahren angelegt wurde.