Am neuen Institut für angewandte Mathematik in Schwerin entstehen digitale Zwillinge historischer Gebäude. Damit werden verlorene Bauwerke wie das Strandhotel Zippendorf virtuell wieder begehbar. Die Teilnehmer der Vorlesungen entwickeln die Modelle und stellen sie anschließend als BIM-Modelle zur Verfügung.
Institut für angewandte Mathematik gegründet
Prof. Dr. rer. nat. Robert Püstow hat das Institut für angewandte Mathematik (IAMSN) in Schwerin gegründet. Er ist Physiker und Professor für angewandte Mathematik an der dualen Hochschule Sachsen in Dresden. Die Software zur Begehung wurde im Rahmen des Instituts entwickelt.
Püstow bietet gratis Online-Vorlesungen in angewandter Mathematik an. Sie richten sich an angehende Azubis, Azubis, angehende Meisterschüler, Meisterschüler, angehende Studenten, Studenten und Schüler. Es gibt keine Teilnahmebeschränkungen, vermittelt werden unter anderem hochschulische Inhalte.
Digitale Zwillinge für das Strandhotel Zippendorf
Die Teilnehmer modellieren auf dieser Basis digitale Zwillinge für das Strandhotel Zippendorf und andere Lost Places in Schwerin, etwa den Schweriner Fernsehturm. „Anschließend werden sie als sogenannte BIM-Modelle zur Verfügung gestellt, sodass auch die Schweriner Bürger die Gebäude im Originalzustand betreten können“, beschreibt der Professor. Dazu ist er mit dem Stadtarchiv Schwerin bezüglich Plänen und Abbildungen im Austausch. Weiterhin arbeitet er mit der IHK Schwerin und der HWK Schwerin zusammen.
BIM bedeutet „Building Information Modeling“. Die Objekte im Modell werden mit Attributen versehen, etwa bei einer Wand mit dem Wärmedurchgangskoeffizienten oder bei einer Tür mit Holzart und Schlosstyp.
Erste Vorlesungen und Zukunftspläne
Die ersten Vorlesungen umfassten 4 mal 90 Minuten. Diskutiert wurden mathematische Methoden zur Modellierung, darunter die parametrische Beschreibung von 3D-Flächen und lineare sowie nicht-lineare Inter- und Extrapolationsverfahren. „Außerdem hatten wir schon die Punktwolke eines Unterarmstumpfes diskutiert, um eine Software zu entwickeln, die anhand von Daten eines 3D-Scans den Schaft einer Unterarmprothese mathematisch modelliert, sodass er 3D-gedruckt werden kann“, sagt Robert Püstow.
Püstow sucht weitere Teilnehmer für seine Vorlesungen, um das Institut zu vergrößern und bekannter zu machen. Er möchte den Hochschul-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Schwerin ausbauen. „Das Ganze ist rein privat und wir wollen den Hochschulen keine Konkurrenz machen“, sagte der 40-Jährige. Die Angebote sind rein digital.
Aus Mecklenburg nach Dresden
Robert Püstow stammt aus der Nähe von Rehna. Nach der Promotion war er Postdoktorand am Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik (IAP) in Kühlungsborn und arbeitete anschließend in einem Planungsunternehmen in Rostock. Im Rahmen des Programms „Karrierewege FH-Professur“ hatte er an der Hochschule Bochum eine Nachwuchsprofessur in BIM inne, bevor der Ruf nach Dresden kam.
Auf das Strandhotel in Zippendorf kam er, „weil es und andere schicke Lost Places ständig in der SVZ stehen“, lacht er. Mit den digitalen Modellen will er die Objekte am Computer zugänglich machen und erhalten, falls sie abgerissen werden. Im Zuge der Vorlesungen können auch Projekte bearbeitet werden, die die Industrie einbringt, etwa Strömungs- oder Energiesimulationen für Heizungsbauer.
Nach Ende der ersten Vorlesung hätten alle Absolventen geschlossen nach einer Erweiterung und Fortsetzung gefragt. In Zukunft könnte er sich vorstellen, Lehrveranstaltungen einmal pro Woche über ganze Semester abzuhalten. Weitere Informationen unter www.iamsn.de.