Schulsozialarbeit in Neustrelitz: Förderende 2027 gefährdet Stellen
Schulsozialarbeit: Förderende 2027 gefährdet Stellen

An den Geldern des Europäischen Sozialfonds (ESF) hängen etliche Personalstellen von Schulsozialarbeitern in Neustrelitz. Die Förderperiode läuft 2027 aus, und noch ist unklar, wie die Stellen an den Schulen der Residenzstadt weiter unterhalten werden können.

Sozialarbeiterinnen stellen ihre Arbeit vor

Im Ausschuss für Bildung und Soziales präsentierten mehrere Schulsozialarbeiterinnen ihre Arbeit. In Neustrelitz gebe es viele Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien, die mit finanziellen Engpässen und Arbeitslosigkeit zu kämpfen hätten. Darunter litten das Sozialverhalten, die Lernmotivation und die finanzielle Ausstattung mit Schulmaterialien, sagte Caroline Stegemann, Sozialpädagogin und Schulsozialarbeiterin an der Grundschule in Kiefernheide.

Auch Kinder mit Migrationshintergrund seien auf Hilfe angewiesen, da bei ihnen wegen bürokratischer und sprachlicher Barrieren ein erhöhter Förderbedarf bestehe. Viele Schüler hätten nicht nur im familiären Raum Probleme, sondern seien auch Mobbing und Cybermobbing ausgesetzt.

Zunahme von Gewalt und psychischen Problemen

Weitere Themen seien immer mehr Fälle von häuslicher Gewalt sowie von Kindeswohlgefährdung. „Wir machen niederschwellige Angebote und vermitteln auch in externe Hilfesysteme“, sagt Caroline Stegemann. Neben Beratung und Austausch in der Klasse wirkten die Sozialpädagogen den Problemen auch mit präventiven Ansätzen entgegen.

An der Integrierten Gesamtschule (IGS), wo etwa 475 Schüler lernen und deren Einzugsgebiet bis nach Wesenberg, Feldberg, Neubrandenburg und Mirow reicht, seien manche Schüler nach drei Wochen Schule noch nicht ein einziges Mal im Unterricht aufgetaucht, war in der Ausschusssitzung zu erfahren. Auch psychische Erkrankungen, Suchterkrankungen, Selbstverletzungen, Essstörungen und suizidale Gedanken hätten massiv zugenommen, berichtet Carina Mieling, Schulsozialarbeiterin der IGS.

Belastungen und Existenzangst

Trennungen in der Familie, das allgemeine Familiengefüge, Gewalt und zu wenig Aufmerksamkeit belasteten die Schüler. „Manche schlafen im Unterricht ein, weil sie sich um jüngere Geschwister kümmern oder den Haushalt übernehmen müssen“, nennt Mieling ein Beispiel. Da auch das Thema Inklusion eine wichtige Rolle spiele und ein erhöhter Förderbedarf für geistig behinderte Kinder bestehe, könne dem nicht immer Rechnung getragen werden, sodass die Verhaltensauffälligkeiten zunähmen.

Streitschlichtungen und Krisenintervention sowie Aufklärungsarbeit begleiteten die Sozialpädagogen täglich, berichtet auch Kerstin Kundt, Schulsozialarbeiterin der Nehru-Schule. Nun sei auch die Existenz der Schulsozialarbeit gefährdet. Derzeit übernehme der Landkreis 60 Prozent der Personalkosten für einen Schulsozialarbeiter, gefördert durch den ESF. 40 Prozent der Kosten übernehme die Stadt, sagt Gabriele Michallik, städtische Amtsleiterin für Bildung und Soziales.