Im Lübzer Ortsteil Bobzin erzeugt das Wasserkraftwerk an der Elde seit 1999 wieder Strom. Die zugehörige Schleuse gleicht einen Höhenunterschied von rund 6,80 bis 7 Metern aus und gilt damit als die tiefste in Mecklenburg. In dem Gebäude befindet sich außerdem ein Museum zur regionalen Stromversorgung.
Geschichte des Kraftwerks
Das Kraftwerk wurde in den 1920er-Jahren gebaut und ging am 8. Mai 1925 in Betrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die technische Ausrüstung im Zuge sowjetischer Demontagen ausgebaut und abtransportiert. Das Maschinenhaus blieb stehen, Strom konnte dort nicht mehr erzeugt werden.
Erst 1954 erhielt das Kraftwerk neue Technik und ging wieder ans Netz. 1974 wurde es erneut abgeschaltet. Technische Probleme spielten eine Rolle, zeitweise stand auch nicht genug Wasser zur Verfügung. Die Landwirtschaft benötigte große Mengen, und die Stromversorgung hatte sich inzwischen verändert.
Museum und Sammlung
Im früheren Maschinenhaus befindet sich heute ein Museum zur regionalen Stromversorgung. Dort stehen alte Stromzähler, Spannungsprüfer, Schaltgeräte, Fotos und Unterlagen aus mehreren Jahrzehnten. Viele Stücke stammen aus Mecklenburg, andere wurden aus weiteren Teilen Deutschlands abgegeben.
Eine Wand voller Stromzähler hat eine eigene Vorgeschichte. Ein Sammler hatte zu Hause immer mehr dieser Geräte zusammengetragen, bis seine Frau genug davon hatte. Die Zähler kamen nach Bobzin. Heute hängen dort mehr als 200 Stück dicht nebeneinander.
Heutige Nutzung
Zum Gelände gehört auch das frühere Wohn- und Dienstgebäude der Schleusen- und Kraftwerksbeschäftigten. Heute wird das Haus als Gästehaus genutzt. Früher befanden sich darin mehrere kleine Wohnungen. Auf dem Grundstück standen Ställe und ein Obstgarten zur Selbstversorgung.
Bobzin ist kein stillgelegtes Technikdenkmal. Die Schleuse gleicht weiter den größten Höhenunterschied an der Müritz-Elde-Wasserstraße aus, das Kraftwerk liefert seit 1999 wieder Strom nach Lübz. Auch das frühere Wohnhaus der Beschäftigten wird weiter genutzt. Damit ist von der ursprünglichen Anlage mehr geblieben als Mauerwerk und Erinnerung. Der Ort hat Demontage, Stillstand und Umbau überstanden – und erfüllt bis heute Aufgaben, für die er vor rund hundert Jahren angelegt wurde.