Altkleiderkrise: Wertstoffhöfe im Kreis Ludwigslust-Parchim unter Druck
Altkleiderkrise: Wertstoffhöfe im Kreis unter Druck

Die Entsorgung von Altkleidern wird im Landkreis Ludwigslust-Parchim zunehmend zum Problem. Steigende Kosten und eingebrochene Absatzmärkte setzen die Branche unter Druck, während die Abfallwirtschaft Ludwigslust-Parchim (ALP) als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger gesetzlich verpflichtet ist, eine getrennte Sammlung anzubieten. Auf den 15 Wertstoffhöfen und Annahmestellen im Kreisgebiet können Bürger ihre Textilien weiterhin kostenlos abgeben, doch die Verwertung wird immer teurer.

Was gehört in den Altkleidercontainer?

Viele Bürger sind unsicher, welche Kleidungsstücke tatsächlich in die Sammelbehälter gehören. Steffen Grünwaldt, Chef der ALP, erklärt: „Was gehört in die Kleidersammlung? Gut erhaltene, tragbare Bekleidung: Oberbekleidung und Unterwäsche, Schuhe (paarweise gebündelt), Gürtel, Hüte, Mützen, Schals, Tücher, Handschuhe, Handtaschen, Rucksäcke, Bett- und Tischwäsche, Handtücher, Decken, Gardinen, Vorhänge, Stepp- und Daunendecken, Kissen, Matratzenschoner.“

Die Textilien sollten gut verpackt und verschlossen, etwa in einem Plastiksack, abgegeben werden. Da Altkleider vor allem zur weiteren Verwendung gesammelt werden, sollten nur saubere, trockene und gut erhaltene Stücke in die Container. „Kaputte oder stark verschmutzte Kleidung gehört in die Hausmülltonne“, stellt Grünwaldt klar.

Markt für gebrauchte Kleidung eingebrochen

Die wirtschaftlichen Bedingungen für die Sammlung und Verwertung von Alttextilien haben sich laut ALP seit Anfang 2024 drastisch verschlechtert. Die Erlöse decken die Kosten nicht mehr, die internationalen Absatzmärkte sind eingebrochen. Gleichzeitig ist die Qualität der Spenden gesunken: „Fabrikneue Billigmode wird zunehmend in den Ländern angeboten, die bislang Second-Hand-Ware angenommen haben“, so Grünwaldt. Die bisherigen Abnehmer können dadurch günstiger Neuware kaufen.

Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass fast alle gemeinnützigen und gewerblichen Unternehmen ihre Sammlungen eingestellt und ihre Container von den Stellplätzen abgezogen haben. Die ALP kommt ihrer gesetzlichen Verpflichtung aus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) nach, indem sie seit 2022 eine eigene, kostenlose Sammlung auf den Wertstoffhöfen anbietet.

Kosten im fünfstelligen Bereich – Besserung nicht in Sicht

Für die Abholung und Verwertung der Alttextilien beauftragte die ALP einen Dienstleister. Dafür entstehen aktuell Kosten im mittleren, fünfstelligen Bereich – eine Belastung für alle im Landkreis. Eine kurzfristige Verbesserung ist nicht zu erwarten: „Aus aktueller Sicht ist eine belastbare Prognose über die weitere Entwicklung der Sammlung/Verwertung der Alttextilien bundes- und kreisweit kaum möglich“, sagt Grünwaldt.

Die EU-Kommission prüft derzeit, wie eine Erweiterung der Herstellerverantwortung den Ausbau einer europaweiten, getrennten Erfassung und hochwertigen Verwertung unterstützen kann. Eine Umsetzung in Deutschland wird jedoch nach derzeitiger Einschätzung frühestens 2027, realistischerweise erst 2028 erfolgen.