Im Jagdjahr 2024/25 wurden in Mecklenburg-Vorpommern 25.737 Waschbären erlegt – so viele wie nie zuvor. Das sind 17,3 Prozent mehr als im Vorjahr und fast viermal so viele wie vor zehn Jahren. Jäger Mirko Plaul aus Drieberg am Cramoner See bietet in seinem Imbiss einen „Bären-Burger“ an.
Kaum Trichinenproben im Landkreis
Im Landkreis Ludwigslust-Parchim wurden in den vergangenen Wochen keine Trichinenproben von Waschbären abgegeben. Auch im System seien keine entsprechenden Proben zu finden, sagt Kreissprecher Andreas Bonin. Das heißt nicht automatisch, dass kein Waschbärfleisch gegessen wird – ein Tier könnte auch anderswo untersucht worden sein. Es zeigt aber: Bei der zuständigen Behörde sind aktuell keine Untersuchungen registriert.
Kreisveterinär Dr. Olav Henschel weist ausdrücklich darauf hin, dass Waschbären der Untersuchungspflicht auf Trichinen unterliegen. Trichinen sind winzige parasitische Fadenwürmer, deren Larven sich in der Muskulatur von Säugetieren einnisten können. Werden sie mit rohem oder nicht ausreichend erhitztem Fleisch aufgenommen, können sie beim Menschen eine Trichinellose auslösen. Die Erkrankung kann Fieber, Durchfall, Muskelschmerzen und Schwellungen im Gesicht verursachen. In schweren Fällen können Organe betroffen sein – unbehandelt kann sie tödlich enden.
Erst untersuchen, dann essen
Deshalb gilt beim Waschbären: erst untersuchen, dann essen. Die Trichinenprobe darf nicht vom Jäger selbst vorgenommen werden, sondern muss durch amtliches Personal erfolgen. Das bieten einige Tierärzte an, aber auch der Landkreis Ludwigslust-Parchim. Erst nach der Freigabe darf das Fleisch als Lebensmittel verwendet werden.
Der Landesjagdverband empfiehlt Handschuhe beim Abbalgen. Der Waschbär kann neben Trichinen auch andere Parasiten beherbergen, besonders den Waschbärspulwurm. Seine Eier befinden sich primär im Kot und können für Menschen gefährlich werden.
Invasive Art und kulinarische Verarbeitung
Der Waschbär stammt ursprünglich aus Nord- und Mittelamerika. Die ersten Tiere wurden im 19. Jahrhundert nach Deutschland gebracht, 1934 wurden vier Waschbären am hessischen Edersee ausgesetzt. Das Bundesamt für Naturschutz führt den Waschbären als etablierte invasive Art.
Fett, Sehnen und Bindegewebe müssen sorgfältig entfernt werden. Der Landesjagdverband empfiehlt, möglichst junge Tiere zu verwerten. Das Fleisch landet häufig im Fleischwolf – daraus entstehen Bouletten, Bratwurst, Salami, Gulasch oder Eintöpfe. In Thüringen wird Waschbär mit Rotkohl, Klößen und Preiselbeersoße serviert. Ein Koch beschreibt es als zart und aromatisch – und immer vollständig durchgegart.