Kurhaus am Inselsee: Integration und Fachkräfte aus vielen Nationen
Kurhaus am Inselsee: Integration und Fachkräfte

Das Kurhaus am Inselsee in Güstrow hat nach eigenem Bekenntnis keine Fachkräftesorgen. Hotelchef Erich-Alexander Hinz urteilt, dass der klassische Arbeitsmarkt – bei vier Millionen Erwerbsunfähigen – wie leergefegt scheint. Seit 1996 ist das Haus auch Ausbildungshaus, viele ehemalige Azubis arbeiten hier heute und schon lange als Facharbeiter. So wie etwa Alexander Paasch im Service, ein Ur-Güstrower. Diese Kontinuität garantiere eine gewisse Planbarkeit, was sehr wichtig sei für den laufenden Betrieb, so Hinz.

Internationales Team im Traditionshaus

Ein weiteres „Rezept“ kennt das Traditionshaus noch: Viele Fachkräfte stammen mangels deutscher Bewerber aus dem Ausland. Im 75-köpfigen Team sowohl des Kurhauses als auch des dazugehörigen Strandhauses arbeiten Menschen sehr vieler Nationen: Gerade ausgelernt haben beispielsweise zwei aus Tunesien sowie Marokko. Des Weiteren arbeiten hier Menschen aus der Ukraine und Syrien sowie ein junger Mann aus Eritrea. Ein junger Kellner in Ausbildung stammt aus Indien, in der Küche stehen ein polnischer sowie ein türkischer Koch, beschäftigt sind weiterhin Ägypter, Afghanen und jemand aus dem Sudan. Auch Kollegen aus Vietnam und dem Irak waren schon da.

„Nicht alle können auch übernommen werden, nicht immer passt es. Viele zieht es nach der Ausbildung in die Großstadt oder weiter in die Welt – mancher hat aber auch schon den Weg zurück gefunden“, erzählt Erich-Alexander Hinz.

Rekrutierung und Integration

Der Gastronom sieht den Arbeitsmarkt ohnehin in einem wenngleich zaghaften Wandel. Wo deutsche Gastronomie schließt, eröffnen Restaurants mit internationaler Küche – und die bringen oft ihr eigenes Personal mit. Angefangen seine ausländischen Fachkräfte zu rekrutieren hat Erich-Alexander Hinz über eine Agentur. Vier Mitarbeiter stammten zunächst aus einer deutschen Hotelfachschule in Ägypten. Das habe dann eine Eigendynamik angenommen, über persönliche Kontakte und Empfehlungen.

Sie zu integrieren bedeute einen enormen organisatorischen und bürokratischen Aufwand. Visum, Flüge und eine Wohnung müssen beantragt und bezahlt werden, viele haben keine Steuernummer, keine Krankenkasse, keine Kontoverbindung, keinen Handyvertrag.

Kulturelle Unterschiede und Integration

Das sei am Anfang nicht leicht, doch die Investition sei es wert gewesen, schätzt Hinz ein. „Wichtig für eine gute Integration ist eine Mischung aus deutschen und ausländischen Kollegen. Es gibt ein Kernteam, und unsere Mitarbeiter merken, wie gut sie entlastet werden. Sie wissen, dass es keine Alternativen gibt.“ Gewiss habe es auch Vorbehalte gegeben, aber Leistung und Freundlichkeit, egal welcher Herkunft und Religion, passten meist.

Freilich bereite auch der Mix aus verschiedensten Kulturen mitunter Probleme. „Die koptisch-orthodoxen Christen aus Eritrea möchten möglichst sonntags gern freihaben, während das den arabischen Kollegen egal ist. Eine Belastung für das Team ist es mitunter, wenn der Ramadan mitten in die Hochsaison fällt. Hier ist viel Verständnis füreinander gefragt“, schildert der Hotelchef. Für manche Kulturen sei es zunächst auch schwer gewesen, eine Frau als Vorgesetzte zu akzeptieren. „Wir haben uns auch schon von Mitarbeitern getrennt, die da an ihre Grenzen gekommen sind. Meist ist aber Einsicht da.“ Wer hier arbeiten wolle, müsse sich mit den hiesigen Gepflogenheiten auseinandersetzen. Und die heißen beispielsweise Gleichberechtigung. „Die meisten jungen Leute aber lassen sich gut integrieren, sie sind offen und strebsam.“

Persönlichkeit prägt Integration

Vietnamesen sind laut Hinz oft unheimlich fleißig, haben aber eine große Sprachbarriere, während Nordafrikaner schnell Deutsch lernen und eine Inderin gleich super sprach. Bei allen kulturellen Unterschieden sei vieles aber auch eine Frage der Persönlichkeit.

Äußerst betroffen hingegen seien die ausländischen Mitarbeiter, wenn sie von Deutschen im Stadtbild pauschal mit jenen „in einen Topf geworfen“ und angefeindet würden, die nicht arbeiten gehen und sich in die „soziale Hängematte“ legen würden. „Diese Menschen kommen ganz klar in der Absicht hierher, nicht das Sozialsystem auszunutzen, sondern ihr Leben auf eigene Beine zu stellen und ihre Familie in der Heimat zu unterstützen“, hält Erich-Alexander Hinz ein Plädoyer für seine fleißigen Fachkollegen.