Eiertunnel in Bad Kleinen: Vom Kurbad zur Sage
Eiertunnel in Bad Kleinen: Geschichte und Sage

Zwischen Bahnhof und Schweriner See liegt ein Stück Ortsgeschichte: ein schmaler Tunnel, der einst Kurgäste ans Wasser führte. Der Eiertunnel in Bad Kleinen ist 27,2 Meter lang, rund 2,05 Meter hoch und höchstens 1,25 Meter breit. Die Ziegelmauern sind 38 Zentimeter stark. Seinen Namen verdankt er seinem eiförmigen Querschnitt.

Vom Heilbad zum Ortsnamen

Auf dem Ortsschild steht heute Bad Kleinen. Bis 1915 hieß die Gemeinde schlicht Kleinen – der Zusatz „Bad“ geht auf eine Wasserheilanstalt oberhalb des Schweriner Sees zurück. Der Heilbetrieb dauerte nur wenige Jahrzehnte. Zum früheren Betrieb gehörten ein Brunnen, eine dampfbetriebene Pumpe, ein Wasserturm mit Maschinenhaus und der Eiertunnel als kurzer Weg zum See. Der Name blieb, obwohl die Wasserheilanstalt längst verschwunden ist.

Kleinen ist viel älter als das „Bad“ im Namen. 1178 wurde der Ort erstmals als „Cline“ erwähnt. Der Zusatz kam erst mehr als 700 Jahre später hinzu.

Die Eisenbahn und die Heilanstalt

Mitte des 19. Jahrhunderts bekam Kleinen eine wichtige Rolle im mecklenburgischen Eisenbahnnetz. Die Verbindungen nach Wismar, Rostock und später Lübeck brachten Reisende, Arbeitsplätze und neue Bewohner in den Ort. Rund um den Bahnhof entstanden Wohnungen, Geschäfte und Betriebe. Die Eisenbahn machte Kleinen gut erreichbar – wichtig für die spätere Heilanstalt, denn Gäste konnten mit dem Zug anreisen.

Westlich des Bahnhofs steigt das Gelände auf einer Endmoräne oberhalb des Ufers an. Dort wurde die Wasserheilanstalt eingerichtet. Schon Anfang der 1860er-Jahre gab es einen ersten Anlauf, der mit Dr. Heussi aus Wismar verbunden wird. Die Anlage blieb zunächst unvollendet. Erst Jahrzehnte später wurde das Vorhaben wieder aufgenommen: Dr. Armin Steyerthal brachte die Anlage voran. 1894 wurde sie vollendet, 1895 nahm das Heilbad seinen Betrieb auf.

Wassertechnik und der Weg zum See

Die Einrichtung verstand sich als heilgymnastische Anstalt. Behandelt wurden vor allem Beschwerden an Knochen, Muskeln und Gelenken. Zum Programm gehörten Wasseranwendungen, heilgymnastische Übungen und Aufenthalte im Freien. Das Wasser kam aus einem eigenen Brunnen, knapp 20 Meter tief, den eine dampfbetriebene Pumpe hinauf förderte. Im Wasserturm wurde das Wasser in vier Behältern mit je 20 Kubikmetern Inhalt gespeichert.

Zwischen Heilanstalt und Ufer lagen die Bahngleise. Steyerthal veranlasste deshalb den Bau eines Fußgängertunnels unter den Gleisen. 1896 wurde er freigegeben. Der Eiertunnel führt unter den Gleisen mehrerer Bahnstrecken hindurch und verbindet den Ortsbereich bis heute mit dem Ufer.

Sage und Gegenwart

Um den Eiertunnel rankt sich eine lokale Sage: Wenn sich junge Menschen dort begegnen, soll daraus eine glückliche Ehe werden. Dafür seien die Echomännchen verantwortlich, die in Ritzen und Nischen des Bauwerks wohnen sollen.

1915 wurde der neue Ortsname amtlich: Aus Kleinen wurde Bad Kleinen. Während der Inflation musste die Wasserheilanstalt 1922 nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten schließen. Das Gelände wurde später unter anderem durch SA und HJ sowie in der DDR durch die Transportpolizei genutzt. Heute erinnern der Eiertunnel sowie Wasserturm und Maschinenhaus an den früheren Heilbetrieb. Dass Bad Kleinen den Zusatz bis heute führt, hängt auch mit den Regeln in Mecklenburg-Vorpommern zusammen, wo historisch gewachsene Zusätze unter bestimmten Voraussetzungen weitergeführt werden dürfen. Seit 2023 ist Bad Kleinen staatlich anerkannter Tourismusort.