Eiertunnel in Bad Kleinen: Vom Kurbad zum Wahrzeichen
Eiertunnel in Bad Kleinen: Vom Kurbad zum Wahrzeichen

Der schmale Fußgängertunnel unter den Gleisen in Bad Kleinen, bekannt als Eiertunnel, erinnert bis heute an die einstige Wasserheilanstalt des Ortes. Die Anlage oberhalb des Schweriner Sees war nur wenige Jahrzehnte in Betrieb, doch ihr Name blieb der Gemeinde erhalten.

Vom Heilbad zum Ortsnamen

Die Gemeinde hieß bis 1915 schlicht Kleinen. Der Zusatz „Bad“ geht auf die Wasserheilanstalt zurück, die 1895 ihren Betrieb aufnahm und 1922 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten schließen musste. Der Ortsname überdauerte den Heilbetrieb.

Kleinen selbst ist deutlich älter als sein Beiname. Bereits 1178 wurde der Ort als „Cline“ erwähnt. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts gewann er durch den Eisenbahnanschluss an Bedeutung, als Verbindungen nach Wismar, Rostock und später Lübeck entstanden.

Die Anlage und ihre Technik

Die Wasserheilanstalt lag westlich des Bahnhofs auf einer Endmoräne oberhalb des Ufers. Zur Ausstattung gehörten ein knapp 20 Meter tiefer Brunnen, eine dampfbetriebene Pumpe, ein Wasserturm mit vier Behältern zu je 20 Kubikmetern und ein Maschinenhaus. Behandelt wurden vor allem Beschwerden an Knochen, Muskeln und Gelenken sowie Versteifungen und Verkrümmungen.

Das Programm umfasste Wasseranwendungen, heilgymnastische Übungen, Aufenthalte im Freien sowie Luft- und Sonnenbäder. Dr. Armin Steyerthal brachte das Vorhaben voran und vollendete die Anlage 1894. Ein erster Anlauf in den 1860er-Jahren war unvollendet geblieben.

Der Eiertunnel als Verbindung

Da die Bahngleise zwischen Anstalt und Seeufer lagen, ließ Steyerthal 1896 einen Fußgängertunnel unter den Gleisen bauen. Der Eiertunnel ist 27,2 Meter lang, rund 2,05 Meter hoch und höchstens 1,25 Meter breit. Sein Name stammt vom eiförmigen Querschnitt, die Ziegelmauern sind 38 Zentimeter stark.

Um den Tunnel rankt sich eine Sage: Begegnen sich junge Menschen dort, soll daraus eine glückliche Ehe werden – verantwortlich seien die Echomännchen in den Ritzen und Nischen. Ohne den Heilbetrieb hätte es diesen kurzen Weg vermutlich nicht gegeben.

Spuren und heutige Bedeutung

Nach der Schließung 1922 wurde das Gelände mehrfach anders genutzt, unter anderem durch SA und HJ in der NS-Zeit und später durch die Transportpolizei in der DDR. Von der ursprünglichen Anlage ist heute nur wenig zu erkennen, doch Wasserturm, Maschinenhaus und Eiertunnel zeugen noch von der Vergangenheit.

Der Zusatz „Bad“ blieb erhalten, weil historisch gewachsene Zusätze in Mecklenburg-Vorpommern unter bestimmten Voraussetzungen weitergeführt werden dürfen. Seit 2023 ist Bad Kleinen staatlich anerkannter Tourismusort.