CDU-Wahlkampf in MV: Buh-Rufe statt Rückenwind für Merz in Kühlungsborn
CDU-Wahlkampf: Buh-Rufe für Merz in Kühlungsborn

Beim CDU-Wahlkampftermin in Kühlungsborn hat Bundeskanzler Friedrich Merz deutlichen Protest erlebt. Mehrere hundert Schaulustige verfolgten den Besuch des Kanzlers an der Ostseeküste – für Fotos und auch für deutlichen Protest. Merz wurde ausgebuht, laute Pfiffe und mehrfache „Pinocchio“-Rufe waren zu hören. Auf einer roten Fahne prangte das Wort „Rücktritt“.

Fischbrötchen als Wahlkampf-Maskottchen

Die CDU MV zog mit dem Kanzler an die Ostseeküste, um im Wahlkampf Rückenwind zu bekommen. Dafür war Merz nach eigener Aussage zum ersten Mal im Seebad und gemeinsam mit den bekannten Gesichtern der Landes-CDU zu Gast bei Kepplers Fisch. Dabei ging es nicht um parteiinterne Streitigkeiten, sondern vor allem um das Wahlkampf-Maskottchen der CDU: das Fischbrötchen.

Wie beim Fischbrötchen sei auch bei der Landtagswahl das Beste in der Mitte – mit diesem Slogan tourt die CDU durchs Land und beansprucht dabei vor allem, die Partei der Mitte zu sein. Die Bedeutung der Kampagne hat sie dabei nun auch ihrem Kanzler erklärt: „Das Fischbrötchen ist ja an sich auch Wirtschaftskraft für Mecklenburg-Vorpommern“, erklärte CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters und bezog sich auf 40 Millionen Fischbrötchen, die pro Jahr allein in MV an mehr als 800 Verkaufsstellen über die Theke gehen.

Merz lobt touristische Kraft der Region

Der Kanzler selbst biss herzhaft hinein und erfuhr nebenbei von Betreiber Roberto Keppler viel über die Probleme der Fischerei im Land – zum Beispiel durch die Fangquoten der EU. Merz lobte die touristische Kraft der Region. Mecklenburg-Vorpommern habe Chancen, die besser genutzt werden müssten, erklärte er und bedauerte, dass die SPD vor fünf Jahren mit der Linken und nicht mit der CDU koalieren wollte: „Dann wäre das Land heute sicher weiter.“ Nun kämpfe man für ein gutes Ergebnis bei der Landtagswahl in drei Wochen.

Laut Umfragen ist die CDU in MV derzeit knapp zweistellig und damit auf einem historischen Tiefstwert. Für eine Koalition mit der SPD würde das nicht reichen. Auch der Bundeskanzler selbst ist im Umfragetief: Laut Umfrage von Infratest dimap sind derzeit nur 14 Prozent der Menschen in Deutschland zufrieden mit Friedrich Merz. Kein amtierender Kanzler hatte je einen schlechteren Wert.

Landes-CDU zeigt sich stolz

Das Vertrauen des CDU-Landesvorstandes in den Kanzler konnte das bisher nicht erschüttern. Vor einigen Wochen schon war er zu Gast auf dem Landesparteitag in Linstow. Auch in Kühlungsborn war das Spitzenpersonal der Landes-CDU sichtlich stolz auf seinen Besuch und ließ sich öffentlichkeitswirksam ablichten - natürlich mit Fischbrötchen.

Getrübt wurde die Stimmung jedoch beim anschließenden Bürgerdialog an der Strandpromenade. Damit bleibt die Frage offen, wie viel Rückenwind Merz‘ Besuch der CDU hier im Land verschafft hat. Am 20. September wird ein neuer Landtag in Mecklenburg-Vorpommern gewählt.