Bürgermeister Rotermann fordert leistungsbezogene Bezahlung für Abgeordnete
Rotermann fordert leistungsbezogene Abgeordneten-Bezahlung

Hansjörg Rotermann, seit mehr als 35 Jahren Bürgermeister von Zickhusen und langjähriger Kreistagsabgeordneter in Nordwestmecklenburg, fordert eine leistungsbezogene Bezahlung für Abgeordnete. „Die schlechten Abgeordneten hätten wir alle nicht, wenn sie dafür nicht so viel Geld kriegen würden“, sagt er und verlangt, die Vergütung stärker an der tatsächlich geleisteten Arbeit auszurichten. Angesichts vieler leerer Plätze im Bundestag fragt er sich: „Wofür bekommen die eigentlich dieses ganze Geld?“

Diagnose: Regelflut und Personalmangel

Rotermann, der auch Landwirt ist, sieht in Mecklenburg-Vorpommern trotz guter Voraussetzungen wie Wind, Wasser, Feldern und Küsten erhebliche Probleme. „Wir haben zu viele Regeln, die sich stapeln, und zu wenig Hände, die Werte schaffen“, lautet seine Diagnose. Politische Entfremdung, Verwaltungsaufwuchs und wirtschaftlicher Druck griffen ineinander und machten dem Land zu schaffen.

Besonders deutlich werde dies im Tourismus, von dem Mecklenburg-Vorpommern stark abhängt. „Beim Tourismus wird das Geld erst zum Schluss ausgegeben“, erklärt Rotermann. Die Menschen sparten nicht unbedingt am ersten Urlaub, wohl aber an einem zweiten oder dritten. „Wir sind daran gewöhnt, dass die Leute dreimal herkommen. Die kommen jetzt eben nur zweimal.“ Das Problem: „Unsere Kapazitäten sind für dreimal da.“ Sinkende Buchungszahlen schlügen dann schnell auf Hotels, Gaststätten, Häfen und Freizeitanbieter durch, aber auch auf Bäcker, Restaurants und den Einzelhandel.

Wertschöpfung und Bürokratie als Schlüssel

Statt sich allein auf Feriengäste zu verlassen, brauche es ein „breites Kreuz“, so Rotermann. Tourismus müsse mit Lebensmittelverarbeitung, maritimer Wirtschaft, erneuerbaren Energien, Gesundheitswirtschaft und IT verbunden werden. „Wertschöpfung muss wie ein Fluss durch die Region gehen, nicht wie ein Stausee, der mal voll ist und mal leer.“ Landwirtschaft und Häfen könnten wieder Knotenpunkte werden, wenn Logistik, Kühlung und Verarbeitung stärker zusammen gedacht würden.

Große Schwachstelle sei die Bürokratie. „Was wir uns teilweise an Standards geschaffen haben, ist so geplant, als wenn wir alles im Überfluss hätten“, moniert er. Als Beispiel nennt er den Feuerwehrparkplatz, der nur noch voll versiegelt genehmigt werde, während Rasengitter nicht mehr zähle – das koste tausende Euro pro Projekt ohne erkennbaren Mehrwert. Sein Grundsatz: „Sicherheit ja, aber mit Vernunft. Der Standard muss zum Zweck passen, nicht zum Papier.“ Statt immer neuer Nachweise brauche es mehr Eigenverantwortung: „Prüfen, was wirklich Risiko mindert. Alles andere raus.“

Bildung als wichtigster Hebel

Den wichtigsten Hebel für die Zukunft sieht Rotermann in der Bildung. „Das Hauptproblem ist, dass wir Bildung vernachlässigt haben. Damit meine ich nicht die Gebäude, sondern die Ergebnisse.“ Junge Menschen müssten Fähigkeiten erwerben, die in den Betrieben gebraucht werden. Er plädiert für eine „reformierte duale Ausbildung“, mehr Praxisnähe und engere Bündnisse zwischen Schulen, Unternehmen und Kommunen. „Ohne gut ausgebildete junge Leute bleibt jede Standortstrategie heiße Luft.“

Seine Vision für Mecklenburg-Vorpommern ist ein Geflecht aus vielen starken Fäden: Landwirtschaft und Lebensmittel, Werften und Häfen, Energie und Industrie, Tourismus und Dienstleistungen. Dazwischen eine Verwaltung, die ermöglicht statt bremst, und Schulen, die Fachkräfte hervorbringen. „Wir müssen nur anfangen, die Dinge wieder zusammenzudenken“, lautet seine Botschaft. Entscheidend sei, dass aus den vorhandenen Ressourcen Wertschöpfung entsteht und möglichst viel davon im Land bleibt.