Verkehrschaos in Rostock: Baustellen bis 2028
Verkehrschaos in Rostock: Baustellen bis 2028

Rot-weiß gestreifte Barken mit blinkenden Lichtern, Absperrgitter und Autos in langen Schlangen: Wer in Rostock mit dem Auto unterwegs ist, muss viele Straßen meiden und Umwege in Kauf nehmen. Vor allem auf den Hauptverkehrsadern, die nach oder aus Rostock führen, wird gebaut.

Baustellen in, durch und aus der Stadt hinaus

Bis November wird die B105 zwischen Bargeshagen und Sievershagen (beide Landkreis Rostock) wegen Erneuerungen an der Fahrbahndecke voll gesperrt sein. Auch die Nobelstraße und die Neubrandenburger Straße sind bis Ende August 2026 beziehungsweise Juni 2028 nicht durchgängig befahrbar. Grund dafür sind Erneuerungen an der Fahrbahn und die Erweiterung des Gehwegs.

Auch innerhalb der Hansestadt wird viel gebaut. Der Ulmenmarkt ist wegen der Erneuerung der Leitungen noch bis voraussichtlich Anfang Januar 2027 gesperrt. Von den 720 bis 730 Kilometern Wegnetz in Rostock stammen viele noch aus der DDR-Zeit, sodass die Vorhaben noch mitgeschleppt werden, wie es aus dem Tiefbauamt heißt.

Prägende Baustellen auch für die Straßenbahn

Besonders die Baustelle am Werftdreieck an der Hauptverkehrsader Rostocks sorgt für stockenden Verkehr. Dort werden Wasser- und Gasleitungen saniert und Straßenbahngleise erneuert. Die Bauarbeiten dauern länger als gedacht, weil das Grundwasser deutlich höher liegt als angenommen, sagt Jan Bleis, technischer Vorstand Markt und Technik bei der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG): "Das Wasser trat heraus wie bei einem Wasserhahn oder einem Feuerwehrschlauch."

Die Bautätigkeiten prägen auch den Alltag des Straßenbahnpersonals. Auf dem Weg vom Werftdreieck zum Betriebshof der RSAG müssen die Bahnen aktuell über Asphalt fahren – und zwar via Straßenbahntransport. Die 30-Tonner werden dafür regelmäßig in der Wendeschleife im Kurt-Schuhmacher-Ring im Stadtteil Dierkow abgeholt und per Schwerlasttransport knapp zehn Kilometer in den Betriebshof in der Hamburger Straße gebracht, vor allem zur Wartung und für Reparaturen. Erst Mitte September kehrt wieder Normalität rund um das Werftdreieck ein. Allerdings bleibt die dort gelegene Max-Eyth-Straße noch bis November voll gesperrt.

Ende von Baustellen an wichtigen Punkten in Sicht

Doch an einigen Stellen enden die Vollsperrungen auch. Im Hansaviertel sind die Bremer Straße und der Trotzenburger Weg am Zoo wieder frei. In der Kröpeliner-Tor-Vorstadt ist die Ottostraße seit Anfang August nach einer Vollsperrung wieder voll nutzbar.

Heiko Tiburtius, Leiter des Rostocker Tiefbauamtes, erklärt: "Der Lebenszyklus von Verkehrsanlagen beträgt 30 bis 40 Jahre, Brücken haben einen etwas längeren." Danach müssten sie saniert werden. Rostock ist im bundesweiten Vergleich mit seiner Baustellendichte nicht auffällig, so Tiburtius: "In anderen Städten gibt es auch intensive Baumaßnahmen." Neben den Sanierungen sorgen auch die Energiewende und der damit einhergehende Aus- und Umbau der Fernwärme für weitere Baustellen. Die Städte wollen außerdem ihre eigenen Wirtschafts- und Finanzpläne umsetzen. Rostock investiert bis zu 28 Millionen Euro für neue Projekte.

In den nächsten 20 Jahren sei der Sanierungsbedarf weiterhin ähnlich hoch wie momentan, schätzt Tiburtius. Doch die Baustellendichte werde sich vermutlich verringern, von den Hauptverkehrsachsen werden sich die Bauplätze in die Wohngebiete verschieben. Wie die Zukunft tatsächlich aussieht, bleibt trotzdem offen, sie sei vor allem abhängig von den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln.