Die Hanse Sail zieht jährlich eine halbe Million Besucher an die Warnow. Mila Zarkh, seit rund einem Jahr Nachhaltigkeitsmanagerin der Tourismuszentrale Rostock und Warnemünde, erklärt, wie umweltverträglicher Tourismus funktionieren kann. Ihr Kollege Emil Juul-Pedersen aus Bornholm macht eine teure Beobachtung.
Moby-Dick-Markt setzt erstmals komplett auf Mehrweg
„Auf dem Moby Dick Markt haben wir während der diesjährigen Hanse Sail erstmals komplett auf Mehrweg-Lösungen umgestellt“, erklärt Zarkh. „Mehrweg, das ist die Königsdisziplin unter den umweltverträglichen Lösungen.“
Etwa ein halbes Kilo Müll (ohne Camping) fällt bei einem Tagesfestival pro Gast mindestens an. Mit Camping liegt der „Tagesmüll“ pro Gast schnell bei über einem Kilo. Bei 500.000 Gästen der Hanse Sail ergibt das bei günstigster Rechnung 250.000 Kilo Müll. Beraten wird die Tourismuszentrale von der Initiative „Plastikfreie Stadt“ und dem KuBuS Verein.
Vier Hebel für den umweltverträglichen Tourismus
Vier Hebel sieht die Nachhaltigkeitsmanagerin, um den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren: Mobilität, Energie, Mehrweg in Verbindung mit einer Verpackungssteuer und ein breiteres, regionalisiertes und auch veganes Ernährungsangebot.
In puncto Mobilität geht es darum, Angebote zu schaffen, die vom privaten Kraftfahrzeug oder Flugzeug wegführen: Bus und Bahn, Fahrradverleih, E-Scooter und mehr. „Mit der Umstellung auf Ökostrom könnte die Hanse Sail, je nachdem wie man rechnet, zwischen 70 und 90 Prozent weniger Emissionen erzeugen“, erklärt Zarkh. Die Umstellung auf 100-prozentigen Ökostrom habe bei anderen Großveranstaltungen im baltischen Raum bereits messbare Effekte gezeigt.
Der schwierigste Hebel betrifft die Ernährung: „Hier geht es nicht darum, etwas zu verbieten, sondern ein möglichst breites Angebot zu schaffen.“ Ein pflanzlicher Hotdog verursache rund 80 bis 90 Prozent weniger CO2-Emissionen als die Fleischvariante.
Datenlücke schließen: EU-Projekt vernetzt Großevents
Ein Problem sei oft die fehlende Datengrundlage auf lokaler Ebene, so Zarkh. Ab diesem Jahr soll das besser werden: Über Easy Feedback sind Gäste der Hanse Sail angehalten, Rückmeldung zu Anreiseweg, Ernährungsweise und mehr zu geben.
Außerdem hilft die Zusammenarbeit im EU-Projekt STRIVE, das Großveranstaltungen im Ostseeraum vernetzen will. Wenn die EU die Initialkosten übernimmt, sinkt die Hürde für Veranstalter und Gewerbetreibende, während der positive Effekt sofort sichtbar wird.
Die Mittel dienen der Anschubfinanzierung für Testläufe, wie dem auf dem Moby Dick Markt, dem Austausch und der Dokumentation. Emil Juul-Pedersen aus Bornholm ist am Hanse Sail-Wochenende angereist, um die Fortschritte zu dokumentieren und im Netzwerk zu teilen.
Im Gespräch teilt er eine Beobachtung: „Von meiner Perspektive in Dänemark aus, wirkt es so, als gäbe es in Deutschland bereits sehr viele nachhaltige Lösungen und große Fortschritte“, erklärt er. „Aber hier vor Ort habe ich das Gefühl, dass die Angebote, wie etwa zur Mülltrennung oder vieles andere auch, für Gewerbetreibende genauso wie für Gäste, überhaupt nicht genutzt werden. Vermutlich, weil es nicht wirklich verpflichtend ist.“ Märkte wie der Moby Dick Markt helfen laut Zarkh, die Akzeptanz für die Maßnahmen zu erhöhen.
Mehrwegtest auf der Hanse Sail: weniger Einkauf und Müll
Ob die Hanse Sail 2027 komplett auf Mehrweg setzt, steht noch in den Sternen. Mapreet Kaur, die mit ihrem Essensstand „Spicy Club“ die Lösung aktiv probiert, ist glücklich: „Ich habe viel weniger Einkauf“, sagt sie und meint die Wegwerfbehälter. Zudem müsse sie deutlich weniger Müll entsorgen.
Gespült werden die Recup-Behälter von der Strandbetreiberin selbst, im eigenen Restaurant im KTC, und wenn es zu viel wird, ist Scanhotels als Partner zur Stelle. „Ich würde das in jedem Fall immer wieder machen“, meint Kaur. „Ich überlege auch, das in meinem Laden einzuführen.“