Plötzlich ohne genügend Bargeld dazustehen – das erlebte eine Redakteurin an ihrem ersten Urlaubstag in Kühlungsborn. Sie hatte rund 100 Euro dabei, weil die Bankautomatenfiliale wegen einer Baumaßnahme keine Auszahlungen zuließ. Nach Zahlung der Kurkarten und einem Lebensmitteleinkauf reichte das Geld gerade noch, um die Rechnung in einem thailändischen Restaurant bar zu bezahlen, das keine E-Karte akzeptierte. Das Thema bewegte offenbar viele Leser, zahlreiche Zuschriften erreichten die Redaktion.
Unverständnis für fehlende Vorbereitung
Ramona Kurth versteht nicht, warum die Redakteurin sich nicht gleich am Urlaubsort mit ausreichend Bargeld eingedeckt hat, und nennt ihr Verhalten „oberweltfremd“. Sie sagt: „Nicht die Gaststätte ist schuld, sondern ein Denken, über das man nur lachen oder den Kopf schütteln kann. In einem solchen Ausflugsort muss man überall damit rechnen, Beträge bar zu zahlen. Für viele Fälle sollte man auch ausreichend Münzgeld bereithalten. Ich bin 71, und ich kann das überhaupt nicht verstehen.“
Andere Stimmen zur Zahlungsfreiheit
Heiko Schiske fragt in seiner E-Mail: „Wer macht hier in Kühlungsborn Urlaub, findet viele durchweg gute Fischlokale und geht dann trotzdem ins Glutamat-Restaurant?“
Torben Botzky sieht das anders: „Wenn die Gastronomen es nicht so machen würden, gäbe es keine Gastronomie mehr. Ich denke, Sie sind gebildet genug und wissen, warum es so läuft. Also stecken Sie ein paar Euros ein und unterstützen die Gastronomie in diesen mehr als schweren Zeiten. Vielleicht tut es Ihnen auch gut, wenn nicht jeder weiß, wo Sie sind und was Sie machen.“
Ute Grunow schreibt: „Wir waren gerade in Kühlungsborn im Urlaub. Ihre Meinung zur Bar- und Kartenzahlung kann ich nachvollziehen. Wir waren zwar in keiner asiatischen Gaststätte, aber in allen anderen Restaurants im Ort und am Hafen fragten uns die Mitarbeitenden wirklich immer, ob wir bar oder mit Karte zahlen möchten. Das sollte heutzutage möglich sein.“
Zum Thema Kurtaxe führt sie weiter aus: „Drei Euro pro Erwachsener am Tag sind sicher nicht wenig, aber ich finde, dass die Stadt Kühlungsborn alles gepflegt und ordentlich hält. Entlang der Promenade stehen in gewissen Abständen Toiletten, die das Reinigungspersonal stets sauber hält. Auch WC-Papier lag immer bereit. Außerdem bietet die Stadt gerade für Familien mit Kindern etliche schöne Spielplätze. Die Kommune muss all das unterhalten, und das kostet Geld.“
Erfahrungen einer Familie
Familie Klaatz berichtet: „Uns ging es ähnlich. Wir starteten morgens mit ausreichend Bargeld, zahlten hier Eintrittspreise, aßen dort zu Mittag, kehrten in ein Café ein, gönnten uns noch ein Eis auf die Hand und kauften ein paar Souvenirs. Am Abend entdeckten wir ein nettes Restaurant, weil wir keine Lust hatten, schon ins Hotel zu laufen. Alle bestellten, und am Ende kletterte die Rechnung auf über 150 Euro. Ja, vielleicht verhielten wir uns leichtsinnig: Wir fragten nicht, ob wir mit Karte zahlen konnten, und wir sahen kein Hinweisschild. Vielleicht trug uns die Urlaubslaune davon oder wir glaubten einfach naiv, dass man in einem Restaurant mit Karte zahlen kann – denn wer trägt schon 200 Euro mit sich herum? Wir reisen viel ins Ausland; dort ist es üblich, sogar das Eis oder die Fahrkarte mit Karte zu bezahlen.“
Schwere Vorwürfe gegen Personal
Christian Latze schildert seine Erfahrungen: „In Kühlungsborn, in Bad Doberan oder in Heiligendamm zwingt man die Gäste zur Barzahlung – das ist das eine; die Gründe für diesen Zwang sind das andere. Selten habe ich in einem Urlaub so viele Zwischenrechnungen gesehen wie dort. Haben Sie Ihren Beleg geprüft? Gastronomen spielen hier ein perfides Spiel: Der Gast glaubt, eine ordentliche Rechnung erhalten zu haben und dass die Betreiber Steuern abführen. Tatsächlich storniert das Personal die Zwischenrechnung ohne jeden Grund und steckt das Bargeld schwarz ein. Bei richtigen, finalen Rechnungen funktioniert dieser Trick nicht. Das ist der eigentliche Skandal, nicht die mangelnde Beschilderung. Und nirgends habe ich es so extrem erlebt wie im teuren Kühlungsborn und seinem Umland.“