Sona Jobarteh hat beim Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) für Aufsehen gesorgt. Die Musikerin aus Gambia trat am Wochenende in Lübeck und Kiel auf und präsentierte eine Mischung aus Weltmusik, Soul und Blues auf der Kora, einer westafrikanischen 21-saitigen Stegharfe.
Die erste professionelle Kora-Spielerin
Jobarteh gilt als erste professionelle weibliche Virtuosin dieses Instruments. Seit Jahrhunderten wurde die Kora hauptsächlich von Männern gespielt. Mit drei Jahren begann sie, das Instrument von ihrem älteren Bruder zu lernen – zunächst nicht ganz freiwillig. „Es war damals eher eine Entscheidung von meinem Bruder“, erzählt sie. Später wollte ich es dann selbst lernen, aber erst als ich Teenagerin war. Da habe ich entschieden, dass mir das Instrument von allen am meisten zusagt. Denn ich bin mit der Kora verbunden und ich verstehe sie. Von dem Zeitpunkt an wollte ich sie professionell spielen.
Musikalische Verbindung von Kulturen
Die 42-Jährige stammt aus London, hat aber Wurzeln in Gambia. In ihrer Musik verbindet sie beide Kulturen und lädt das Publikum ein, mitzusingen. Ihre Kompositionen werden von Themen wie Politik, unterschiedlichen Kulturen, der Stellung der Frauen in der Gesellschaft und der Bildung von Kindern und Jugendlichen inspiriert.
Gambia Academy: Bildung und kulturelle Identität
Vor elf Jahren gründete Jobarteh die Gambia Academy. Die Schule dekolonisiert aktiv Bildungssysteme und stellt kulturelle Identität wieder her. „Die jungen Leute lernen Dinge über Solartechnologie, sie machen Ingenieurwesen, es gibt Studenten in der Kosmetik und im Film – das sind Bereiche, die es eigentlich gar nicht gibt“, erklärt sie. „Genau das ist der Punkt, denn wenn du als Filmschaffender auf Jobsuche bist, musst du natürlich weggehen, z.B. nach Amerika. Aber wenn du sie von klein auf trainierst, um ein eigenes Unternehmen zu gründen, dann verstehen sie Finanzen und die Konzepte von Unternehmen. Darauf bauen wir in der Gambia Academy auf. Darauf bin ich stolz.“