Der Wohnungsmarkt in Rostock steht massiv unter Druck. Die Lage für Mieter wird immer prekärer. „Und Rostock ist eine klassische Mieterstadt“, sagt Kai-Uwe Glause, Geschäftsführer des Mietervereins Rostock. Mehr als 80 Prozent der Rostocker leben in Mietwohnungen, überdurchschnittlich viele im Bundesvergleich. Der nahezu nicht vorhandene Leerstand – unter einem Prozent – und die steigende Nachfrage führen zu überproportional hohen Mieten. Der Mieterverein fordert kurzfristige Lösungen.
Mietpreise in Rostock mittlerweile bedenklich
„Gerade in Zeiten eines angespannten Wohnungsmarktes haben wir es in unseren Beratungen vermehrt mit Mieterhöhungen sowie Vermieterkündigungen zu tun“, sagt Glause. Im Vergleich ostdeutscher Städte würde Rostock in Bezug auf Mietpreise ohnehin mit an der Spitze stehen. Glause hält die Situation mittlerweile für bedenklich. „Für die Menschen in Rostock wird es immer schwieriger, Mietwohnungen zu bezahlen, ja, immer mehr haben Angst, ihre Wohnung in Zukunft nicht mehr bezahlen zu können.“ Die hohen Mietsteigerungen seien sowohl in bestehenden Mietverhältnissen als auch bei Neuvermietungen zu beobachten. Bei Letzteren werde generell ein höherer Preis aufgerufen.
Doch zunächst gilt es, eine den Bedürfnissen entsprechende Wohnung zu finden – und das ist in Rostock nahezu unmöglich. „Die Menschen finden zumeist mehrere Jahre nicht, was sie suchen“, sagt Glause. Eine Veränderung der eigenen Wohnsituation sei kaum möglich. „Diese Sachlage haben wir jetzt schon seit zirka zehn Jahren und sie war absehbar“, schildert der Jurist und Mietrechtsexperte. Doch die Stadt habe dem nicht rechtzeitig entgegengewirkt. „Jetzt versucht man krampfhaft, ein breiteres Wohnangebot zu schaffen.“ Glause schätzt, dass Rostock mindestens 5000 neue Wohnungen braucht. „Wenn die Stadt weiter wachsen will, brauchen wir doppelt so viele.“
Mieterverein Rostock: Größter Mieterverein in Mecklenburg-Vorpommern
Der Mieterverein Rostock ist eine parteipolitisch neutrale Selbsthilfeorganisation und berät, wie Mitglieder berechtigte Ansprüche gegenüber Vermietern durchsetzen beziehungsweise unberechtigte Ansprüche von Vermietern abwehren können. Zusammen mit über 300 örtlichen Mietervereinen ist er dem Deutschen Mieterbund (DMB) mit 1,2 Millionen Mitgliedern angeschlossen.
Der DMB Mieterverein Rostock ist mit aktuell 5500 Mitgliedern der größte Mieterverein in Mecklenburg-Vorpommern. Bis zu 3000 Beratungsgespräche leistet das Rostocker Büro jedes Jahr. Der Mieterverein befindet sich in der Gerhart-Hauptmann-Straße 19, Telefon 0381/375290, E-Mail [email protected].
Planungsprozesse dauern zu lange
Ein weiteres Hemmnis zur Entlastung des Wohnungsmarktes: „Planungs- und Entscheidungsprozesse in Politik und Verwaltung dauern viel zu lange“, sagt Glause. Die Stadt müsse kurzfristig attraktivere Bedingungen für potenzielle Investoren schaffen. „Städtische Grundstücke müssen schneller zu erschwinglichen Preisen bebaut werden können“, fordert er. Beispiel sei das seit Jahren in der Planung befindliche Warnowquartier. „Hier muss die Stadt Investoren den roten Teppich ausrollen und mit dem Erbbaurecht flexibel umgehen.“ Glause wirft der Stadt „mangelnde Entschlossenheit“ vor, gerade auch in Bezug auf die geplanten Wohngebiete Groter Pohl oder Am Pulvertum, wo immer noch keine Bagger rollen.
Hoffnungen setzt Glause unter anderem in den Bau-Turbo. „Wir wenden den Bau-Turbo überall dort an, wo es möglich ist“, so Rostocks Bausenatorin Dr. Ute Fischer-Gäde (Grüne). „Damit können wir Vorhaben genehmigen, die bisher an einem fehlenden Bebauungsplan hängen geblieben wären, und das deutlich früher. Wir optimieren unsere Genehmigungsverfahren, damit die Wohnungswirtschaft schneller in den Wohnungsbau kommt.“ Und jede neue Wohnung erhöhe die Chance, etwas Passendes zu finden. Kai-Uwe Glause sieht im Bau-Turbo ebenfalls Chancen für Rostock. „Es geht darum, mit weniger Bürokratie Bauen zu ermöglichen“, unterstreicht er.