Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern hat in Rostock ein neunköpfiges Kompetenzteam vorgestellt, das die Partei im Landtagswahlkampf und darüber hinaus beraten soll. Spitzenkandidat Daniel Peters sagte, es gehe darum, Praktiker zu Wort kommen zu lassen.
Team aus externen Experten
Die zwei Frauen und sieben Männer stammen nicht aus der CDU-Landtagsfraktion. Es handele sich um Persönlichkeiten mit viel Wissen und Erfahrung, so Peters. „Alle, die hier sitzen, sind ministrabel“, sagte er, betonte aber, dass es derzeit nicht um ein „Ticket für ein Minister- oder Staatssekretärsamt“ gehe. „Es ist die Zeit, in einem Wahlkampf über die richtigen Lösungsansätze für Mecklenburg-Vorpommern zu reden, über die Inhalte zu reden.“
Im Team sind ein Schulleiter, ein Start-up-Gründer und Investor, Landwirte, eine Zahnärztin sowie der bundesweit bekannte Polizeigewerkschafter Rainer Wendt. Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) forderte für gute Innere Sicherheit „kurz gesagt: Personal, Technik und Gesetze“.
Wendt kritisiert Linksextremismus
Wendt sprach per Video-Schalte von „Scharlatanen“ im „linksradikalen Milieu“ und bezog sich auf die Veröffentlichung von Fotos mutmaßlicher Polizisten auf einer linksextremistischen Internetplattform. Laut Landesverfassungsschutzbericht kam es im Frühjahr 2025 zu dieser sogenannten Outing-Aktion in Rostock, wo auch Plakate mit den Fotos auftauchten.
Bereits vergangene Woche wurden Lars Schwarz als Wirtschaftsexperte und Marco Gemballa als Agrar-Experte vorgestellt. Schwarz ist Arbeitgeberpräsident von MV, Gemballa Vizepräsident des Landesbauernverbandes. Ein wiederkehrendes Thema war die Forderung, Menschen mehr Verantwortung zuzutrauen.
Finanzexperte kritisiert Haushalte
Dietger Wille, stellvertretender Landrat und Finanzdezernent des Landkreises Vorpommern-Greifswald, präsentierte sich als Experte für Finanzen und Kommunales. Er kritisierte die stark gestiegenen Sozialausgaben im kommunalen Bereich. „Jedem ist klar, das kann nicht auf Dauer gutgehen“, so Wille. „Wer Soziales will, muss das aber auch erwirtschaften können.“
Die CDU liegt in Umfragen bei nur 9 Prozent (Infratest dimap im Auftrag des NDR, Anfang Juli). Peters sagte: „Ich pack' die Umfragen einfach beiseite, denn es ist letztlich auch nur eine Umfrage. Abgerechnet wird am Schluss.“
Politologe sieht historisch schlechtes Ergebnis
Der Rostocker Politikwissenschaftler Wolfgang Muno sagte: „Für die CDU sieht es nicht gut aus, sowohl Bundestrend wie Landestrend sind gegen Daniel Peters und die CDU. Das könnte ein historisch schlechtes Ergebnis werden.“ Dennoch könnte die CDU eine entscheidende Rolle spielen, etwa bei einer Duldung einer Koalition aus SPD und CDU durch die Linke.
Als „Game-Changer“ könnte der Einzug der Grünen in den Landtag wirken. „Eine Mehrheit für Rot-Rot ist aktuell unwahrscheinlich, mit Grün könnte es reichen“, so Muno. Die letzte NDR-Umfrage sieht die SPD bei 29, die Linke bei 12 und die Grünen bei 5 Prozent. Die AfD führt mit 36 Prozent.
Muno erwartet, dass der Terroranschlag in Berlin und der Migrantenzustrom nach Ceuta der AfD zusätzlich ein bis zwei Prozentpunkte bringen könnten. „Alles, was nach Krisen aussieht, ist positiv für die AfD.“ Die Partei sei aber weit von einer absoluten Mehrheit entfernt.