Nena über DDR, Gänsehaut und ihr Konzert in Schwerin
Nena über DDR, Gänsehaut und Konzert in Schwerin

Am 3. September kommt Nena auf die Freilichtbühne im Schweriner Schlossgarten. Noch gibt es Tickets für das Konzert. Im Vorfeld spricht die Sängerin über ihr aktuelles Album „Licht“, Kinder, die ihre alten Songs mitsingen, Erinnerungen an die deutsche Teilung – und darüber, warum sie gerade heute gemeinsam mit ihrem Publikum das Leben feiern möchte.

Mehr als 40 Jahre Musik und ein neues Album

Mit ihrem aktuellen Album „Licht“ schlägt Nena ein weiteres Kapitel ihrer langen Karriere auf. Das Werk erschien 2020 und umfasst 15 Songs. Der Titel steht dabei für eine positive Grundhaltung – und bekommt mit Blick auf die vergangenen Jahre und die Gegenwart noch einmal eine eigene Bedeutung.

Auf die Frage, was „Licht“ für sie persönlich und musikalisch bedeutet, antwortet Nena: „Licht bedeutet für mich, in der Dunkelheit sehen zu können.“ Geblieben sei ihr die große Freude an dem, was sie tue. „Ich mache seit über 40 Jahren Musik, spiele jedes Jahr Konzerte und singe meine ‚alten‘ Songs genauso gerne wie die Neuen.“

Wenn Kinder Hits aus den 80ern mitsingen

Nenas Durchbruch liegt inzwischen mehr als vier Jahrzehnte zurück. 1982 wurde sie mit „Nur geträumt“ bekannt, der Song erreichte Platz zwei der deutschen Charts. Es folgten Titel wie „99 Luftballons“, „Leuchtturm“ und „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“, die zu den bekanntesten Songs ihrer Karriere gehören. Viele davon sind bis heute fester Bestandteil ihrer Auftritte.

Warum ihre Songs auch bei Menschen funktionieren, die bei deren Veröffentlichung noch gar nicht geboren waren, erklärt Nena so: „Es gibt eben Lieder, die gekommen sind um zu bleiben. Und davon habe ich einige im Gepäck.“ Oft sehe sie drei Generationen Menschen in ihren Konzerten. „Da stehen auch immer wieder wundervolle Kinder in den ersten Reihen, die alle Texte mitsingen, egal aus welcher Zeit. Das sind fließende Übergänge, die dazu führen, dass man durch verschiedene Zeiten hindurch verbunden bleibt.“

„99 Luftballons“ und Erinnerungen an die DDR

„99 Luftballons“ gehört zu den Songs, die Nenas Karriere entscheidend geprägt haben. 1983 veröffentlicht, wurde das Lied nicht nur in Deutschland zum Erfolg, sondern entwickelte sich auch international zum Hit. Inhaltlich erzählt es davon, wie 99 Luftballons am Himmel eine militärische Reaktion auslösen, die schließlich in einem Krieg endet. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges traf der Song damit einen Nerv der Zeit. Später erschien auch eine englischsprachige Version. Bemerkenswert ist jedoch, dass die deutsche Originalfassung selbst international große Erfolge feierte.

Wie Nena die Zeit des geteilten Deutschlands erlebte und welche Reaktionen sie aus der DDR erreichten, erzählt sie im Interview: „Hinter der gruseligen Mauer gab es viele Menschen, die unsere Musik mochten. Auf Amiga wurde auch ein Album von uns veröffentlicht. Wir haben damals viele berührende Briefe von ‚drüben‘ bekommen. Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich an diese Zeit denke. Damals wie heute ist es für mich unvorstellbar und vollkommen unmenschlich, dass eine Mauer um ein riesen Stück Land gezogen und ein ganzes Volk einfach geteilt wurde. Für mich ist das alles überhaupt nicht aufgearbeitet. Ich bin so gerne im sogenannten ‚Osten‘ und voller Dank, dass ich jedes Jahr überall Konzerte spielen darf. In den 80ern hatte es sich leider nicht ergeben, ein Nena-Konzert in ‚Ost-Berlin‘ zu spielen.“

Das erwartet die Fans in Schwerin

Am 3. September führt diese musikalische Reise nun nach Mecklenburg-Vorpommern. Nena sagt: „Freut euch auf eine knackige Rockshow mit vielen lauten und leisen Gänsehaut-Momenten. Wir gehen auf eine Reise durch über 40 Jahre Nena Musik. Ich lade euch ein, gemeinsam mit uns zu singen, zu tanzen, zu lachen. Lasst uns gerade in dieser herausfordernden Zeit das Leben feiern.“

Für Nena ist der Auftritt zugleich eine weitere Rückkehr in den Nordosten. Gerade mit Blick auf ihre Erinnerungen an die deutsche Teilung beschreibt sie ihre heutigen Konzerte im Osten Deutschlands als etwas, für das sie dankbar sei. Auf die Frage, was sie persönlich mit Mecklenburg-Vorpommern verbindet, antwortet sie: „Das besondere sind die Konzerte selbst, die Menschen, die kommen und gemeinsam mit uns lachen, singen, tanzen und das Leben feiern – gerade in diesen herausfordernden Zeiten. Ich freue mich schon sehr auf Schwerin!“