Viele Güstrower haben Angst, im Dunkeln aus dem Haus zu gehen. Das zeigt eine Umfrage von Studierenden der Polizeifachhochschule Güstrow unter Leitung der Kriminologin Rita Bley. Die Befragungen finden derzeit an verschiedenen Orten in der Stadt statt, unter anderem am Bahnhof.
Eisenbahnstraße als Angstort genannt
Immer wieder fiel das Wort Eisenbahnstraße. Hier fühlen sich viele Güstrower nicht sicher. Das ergab einhellig eine Stippvisite der Studierenden vor dem Bahnhof der Barlachstadt. „Da sind abends sehr viele Leute, die da nicht hingehören, die gern ein Messer dabeihaben und Stress machen“, sagte beispielsweise eine junge Frau auf eine der Interviewfragen.
Sie sei schon sexuell belästigt worden und glaube auch, dass das wieder passieren könne, meinte die 18-Jährige. Die Passanten wurden zufällig ausgewählt für die Studie von Polizei, Stadt und Fachhochschule zum Sicherheitsgefühl in Güstrow.
Studierende befragen eine Woche lang
Eine Woche lang sind sechs Interview-Teams je zwei Stunden lang zu verschiedenen Zeiten an ganz unterschiedlichen Orten innerhalb Güstrows unterwegs – von der Altstadt bis in die Südstadt. Befragt werden Einwohner sowie Pendler aller Altersklassen. Die Resonanz ist für Rita Bley überraschend positiv. Binnen nur einer halben Stunde hat die Forscherin am Bahnhof vier Interviews „im Kasten“, obwohl die Fragezeit jeweils etwa zehn Minuten in Anspruch nimmt.
„Die Leute sind sehr offen und freundlich“, konstatiert sie. Befragt wurden auch Migranten, die sich aufgrund ihres Äußeren rassistisch angemacht fühlten. Begleitet wurde die Kriminologin am Bahnhof von Michelle Schitz aus dem 3. Studienjahr. Sie möchte gern Kriminalkommissarin werden und nochmal ein Psychologiestudium anschließen. „Sehr junge und alte Menschen antworten meist sehr freimütig. Schwieriger ist es sonst eher mit Leuten von 40 bis 60 Jahre“, hat sie bisher festgestellt.
Bürgermeister hört sich um
Auch Bürgermeister Sascha Zimmermann ist vor Ort ganz Ohr. Was das heikle Bahnhofsviertel betrifft, hofft er, dass die geplante Aufwertung des benachbarten Stahlhofgeländes zu mehr Sicherheit beiträgt. Zugleich bedauert er, dass der Stadt in Sachen Bahn wegen Eigentumsverhältnissen und Zuständigkeiten teilweise die Hände gebunden sind. „Trotzdem haben wir Teile des Bahnhofsgeländes selbst gestaltet und auch für mehr Beleuchtung gesorgt.“
Mehr Licht wünschen sich viele der Befragten. Sie können sich zusätzlich zur häufig angetroffenen Polizeistreife auch mehr Präsenz der Beamten sowie Videoüberwachung vorstellen. Ein junger Mann befürwortet Waffenverbote für „bestimmte Personen“. Als weitere Brennpunkte wurden die Südstadt und der Spaldingsplatz genannt. Viele meinen, dass es vor einigen Jahren in der Stadt sicherer gewesen sei.
Müll in Grünanlagen als Problem
Neben der Sicherheit spielt auch die Ordnung eine Rolle. Viele Güstrower empfinden „Müll in den Grünanlagen“ als problematisch, vor allem seit die Altkleidercontainer stark reduziert wurden. Der Landkreis Rostock lässt nun das Umfeld der Glascontainer, an denen auch viel Unrat abgestellt wird, einmal wöchentlich beräumen. Trotz aller geäußerten Ängste fühlen sich viele relativ sicher und treffen kaum Sicherheitsvorkehrungen wie etwa ein Notfallspray mitzuführen.
Wer für Vor-Ort-Interviews keine Zeit hat, kann die Fragen auch mittels QR-Code auf im Rathaus ausliegenden Postkarten beantworten. Die Auswertung der anonymen, mehrsprachigen Befragungen erfolgt Anfang September.